Archiv für November 2006

h1

Pssssssst…. Kathi hat Geburtstag

November 21, 2006

Kathi hat diesen Mittwoch (22.11.) Geburtstag und ich vermute, sie wuerde sich unglaublich freuen, wenn sie ein paar Nachrichten von ihren Lieben, der Familie, der Verwandten, Freunde und Bekannten bekommen wuerde…. zumal sie mir gerade gestanden hat, dass sie die letzten 2, 3 Tage schon ziemlich Heimweh hatte.

Sicher wird sie viele Mails erhalten, aber ich bin sicher, sie wuerde sich noch mehr ueber Nachrichten auf unserer Voicebox freuen. Leider sind wir aller Voraussicht nach am Mittwoch irgendwo in der Pampa, im Tal der Diamanten, sonst koennte man sie auch direkt anrufen. So kann man ihr nur eine Nachricht hinterlassen. Aber das ist ja auch schon ne tolle Sache.

Wie es geht? Einfach die 06131 9017892 zum Festnetztarif nach Mainz anrufen. So gelangt ihr auf unseren Online-Anrufbeantworter (oder zu uns, wenn wir online sind). Da einfach nach dem Piep draufplappern, wie man das auch von normalen Anrufbeantwortern kennt und Auflegen. Fertig.

Also, wer das Kathrinchen gluecklich machen will…

h1

In Bahia angekommen

November 21, 2006

Gestern sind wir an einem Sonntag in Salvador da Bahia angekommen und es war eher stressig zu einer Herberge zu gelangen. Ueberal standen Leute rum, die uns eine Pousada, ein Hostel, eine Herberge oder sonst etwas zeigen wollten, um eine Provision von den Unterkuenften zu bekommen. Zudem kamen noch die ganzen mobilen SchmuckverkaeuferInnen mit Ketten und Armbaendern um den Arm, die einem den schoensten Schmuck von Bahia verkaufen wollten. Man musste echt aufpassen, dass man nicht irgendwann ein buntes Baendchen ums Handgelenk hatte. Ein einfaches Nein akzeptierten die wenigsten.

Bahia war eigentlich der Teil, der das Hauptgewicht der Reise ausmachen sollte. Hier wollten wir uns am laengsten aufhalten. Die afro-brasilianische Kultur, mit ihren vielen Farben, Festen und Rhythmen reizte uns. Allerdings hatten wir unser Ankommen anders erwartet. Wir hatten eben nicht an die vielen Leute gedacht, die Geld damit machen,  Touristen und Reisende auf die ein oder andere Art und Weise auszubeuten. Das Geschaeft nimmt, wie wir finden, teilweise menschenverachtende Zuege an. Man ist als AuslaenderIn nur Ressource, aehnlich wie Schlachtvieh in der modernen Fleischindustrie. Alles an dir wird zu Geld gemacht, deine Beduerfnisse, wie Essen, Trinken und Schlafen, dein Vorhaben, etwas von Land und Leuten zu erleben, die Tatsache, dass du auf Informationen angewiesen bist, dass du dich nicht auskennst, dass du die lokalen Tricks der Diebe und Heuchler nicht kennst usw. (Das Reisehandbuch bereitet dich zwar darauf vor, was es aber auch nicht wirklich besser macht, da du dann an jeder Ecke nur noch Diebe, Heuchler und Drogenabhaengige siehst, die tatsaechlich nicht so zahlreich sind, wie man meint, wenn man den Guide liest.) 

Ziemlich gestresst haben wir eine Herberge im Stadtteil Pelourinho gefunden. Dies ist der alte Stadtteil von Salvador und dementsprechend eher im Kolonialstil gehalten. Von den Farben der Haeuser her, fuehlten wir uns ein wenig an unseren vorherigen Aufenthalt in Olinda erinnert. Es gibt einen Platz nach dem anderen und eine Kirche nach der anderen. Salvador hat an die 400 Kirchen, fuer jeden Tag im Jahr eine und noch ein paar auf Reserve. Krass, oder? Man darf sich gar nicht erst an den Kirchen orientieren, sonst ist man verloren. Jedenfalls geht es mir so. Peter ist da wesentlich besser drin!

In der Herberge angekommen ueberwanden wir gleich unsere Abneigung gegen das Menschenschleppervolk und schlenderten den Nachmittag wieder durch die kleinen Strassen und Gassen und erkundeten, die etwas ruhigeren, aber immer noch sicheren Ecken Salvadors, der Hauptstadt von Bahia, dem afro-brasilianischen Bundesstaat von Brasilien. Als Peter wieder genervt war, sind wir was Essen gegangen. Dann wars besser. Als er wieder genervt war, sind wir schlafen gegangen. Danach war es besser und der Abend war dann noch mal richtig nett, bevor wir dann mal richtig ausruhten und den zweiten Tag in Angriff nahmen, den wir komplett geniessen konnten (vermutlich weil nicht mehr Wochenende war und wohl auch, weil das ganze Volk mit den Zeremonien zu einem lokalen Fest, das in allen Gassen tobte, beschaeftigt war.

Morgen (Di) werden wir wieder unsere 7 Sachen zusammenpacken und nach Lençois fahren, einem etwas groesserem Ort in der Naehe des Nationalparkes Chapada Diamantina. Von dort aus werden wir dann eine mehrtaegige Hikingtour starten- durch den Nationalpark mit seinen Fluessen und ihren Wasserfaellen, mit Bergen, Plateaus und gruenen Taelern und mit Regenwasser gefuellten Kratern zum Schwimmen. Also wundert euch nicht, wenn wir uns jetzt laengere Zeit nicht mehr melden.

h1

Oh!Linda

November 20, 2006

Nach Sonne, Strand und Meer und dann 2 Naechten mit dem Bus die Kueste runter , war danach erstmal wieder ein Bisschen Kultur an der Reihe. Dachten wir uns und fuhren nach Olinda, einem kleinen niedlichen Kolonialort direkt neben der riesigen Industriestadt Recife und direkt an der Kueste.

Hier haben sich irgendwann in den 60ern jede Menge Kuenstler niedergelassen, die immer noch das Stadtbild praegen. Die Haeuser sind alle bunt angemalt in schoenen kraeftigen Faerben, nix mit verweichlichten Pastelltoenen, weiss und grau. In den ganzen alten Kolonialbauten haben sich Kunstgalerien angesammelt, d.h. eigentlich Shops, die voll mit bunten Gemaelden und allem moeglichen netten Gebimsel sind, das mancheR sich moeglicherweise an die Wand haengen oder auf die Komode stellen will. Die Ateliers sind haeufig direkt hinten dran oder die Kuenstler sind in der Galerie oder auf dem Buergersteig davor, dass man ihnen bei der Arbeit zusehen kann.

Wir wollten nicht viel kaufen, weswegen wir die meiste Zeit damit verbrachten, durch die engen Strassen zu schlendern, in den Parks zu sitzen oder auf dem Kirchenberg lecker Tapioca zu mampfen. Ueber der Stadt trohnt naemlich ein Huegel, auf dem, obwohl er nicht wirklich gross ist, 3 Kloster samt 4 Kirchen (Kapellen nicht mitgezaehlt) stehen. Da versammelt sich nachmittags und abends das Volk, um ein paar Caipis zu schluerfen und Tapioca zu essen, zu Samba Musik zu tanzen und es sich gut gehen zu lassen.

Tapioca sind, wie wir glauben, irgendwelche Flocken aus Maniok, die teilweise zu Mehl zerieben werden und dann in der Pfanne zu Fladen gebacken werden. So richtig wissen wir nicht, was es ist, aber wir wissen, dass sie gefuellt mit Kokosraspeln und zerlaufenem Kaese, oder Bananen mit Karamel oder Schokolade, oder mit Schrimps oder …., naja, jedenfalls einfach nur ein Traum sind.

 Wir sind in dem schoenen Olinda wieder bei sehr netten Leuten untergekommen. Ein Typ, der vor 4 Jahren, als 2 deutsche Maedels waehrend des Karnevals keinen Platz zum Schlafen finden konnten, auf die Idee kam, ein paar Zimmer seines grossen Hauses zu vermieten. Und das tut er bis heute, ganz bescheiden, ohne riesiges Schild ueber der Tuer und so. Dafuer hilft er bei allem Moeglichen und war wirklich super bemueht, es uns so angenehm wie moeglich zu machen. Jeden Tag sagte er uns, was abends kulturell so laeuft und wenn wir muede waren und nicht raus wollten, lieh er uns ein Video aus, was grossartig war, denn er hatte etwa denselben Filmgeschmack wie Peter und so lernten wir noch ein Bisschen was von der besseren brasilianischen Filmkultur kennnen.  Was im Fernsehen laeuft, ist, sofern wir es mitkriegen, nicht so der anspruchsvolle Kram. Ausser langweiligem Hausfrauenfernsehen tagsueber, gibt es abends noch jede Menge Soaps, die hier unglaublich erfolgreich sind und jedeR stehen bleibt, wenn irgendwo auf einem Marktstand oder in einem Laden eine tolle Soap-Szene in dem dort haengenden Fernseher (TV ist wirklich ueberall) laeuft.

Einen Tag sind wir nach Recife in einen Park gefahren, der sich am Ende als Zoo entpuppte, der aber nicht so super aufrecht erhalten wird und wo viele Tiere einsam verkuemmern, denn es gibt haeufig nur ein Exemplar von einer Art und das bei Einzelgaengern wie Braunbaeren, genau wie bei Kolonie-Tieren wie Pavianen. Die meisten Staelle  weisen auf dem Boden einen ausgelatschten Streifen auf, weil die Tiere sich den ganzen Tag damit beschaeftigen, auf und ab zu laufen. Wir waren trotzdem froh, hingefahren zu sein, denn ein paar der Tiere, v.a. die Anacondas, Raubkatzen und Ameisenbaeren mit ihren suuuuperlangen Nasen, waren echt beeindruckend.

h1

Fotoleza

November 17, 2006

Kathi und ich mussten auf unserer Reise durch die Hafenstadt Fortaleza. Da wir aber keine grosse Lust hatten auf so ne grosse Industrie-Metropole, die kulturell nicht viel zu bieten hat, sind wir morgens mit dem Bus rein und abends wieder raus.

Die uebrige Zeit haben wir vor allem damit verbracht posts zu schreiben und – tataaaa – Fotos von den letzten 3 Wochen Reise hoch zu laden und wir empfehlen, sich die doch besser jetzt als spaeter anzugucken und sich ein bisschen Tropen, Sonne, Strand und Meer in den deutschen Herbst zu holen.

Wir jedenfalls schauen sie uns gerne immer wieder an…

h1

Dem Meer so nah

November 14, 2006

Den beschwerlichen Weg ans Meer, um genauer zu sein nach Jericoacoara, konntet ihr ja lesen. Dementsprechend waren wir froh, endlich angekommen zu sein. Das erste was wir taten (nachdem wir uns einen Platz zum Zelten gesucht hatten), war ins Meer zu springen, das direkt vor unserer Tuer lag. Die Temperatur war angenehm, nur die Wellen, die sich staendig vor einem, hinter einem, neben einem und ueber einem brachen, waren ganz schoen anstrengend. Es machte Spass, sich in die Wellen zu stuerzen und wir versuchten staendig auf den Wellen zu reiten, was uns teilweise sogar gelang.

Als wir wieder rauskamen, gingen wir erstmal auf die Suche nach unseren Klamotten, die wir auf den Steinen abgelegt hatten. Wir hatten ein wenig die Orientierung verloren, denn die Stroemung des Wassers hatte uns soweit vom urspruenglichen Ort weggetrieben. Zudem hatten wir das Gefuehl gehabt, dass die Flut herein gekommen und dass das Wasser gestiegen sein muesste. Dem war zum Glueck nicht so, denn wir hatten schon befuerchtet, dass all unsere Sachen, samt dem Brustbeutel von Kathi von den Wellen erfasst und in den Tiefen des Meeres verloren waren.

Nachdem kleinen Schock genossen wir erstmal die Mittagssonne unter den Cashewbaeumen unseres Zeltplatzes.

Die restliche Zeit verbrachten wir in Jericoacoara damit, zu schwimmen, auf einen nahegelegenen Huegel zu spazieren und den Ausblick zu geniessen und den Wassersportlern zuzuschauen. Am meisten faszinierten uns die Windsurfer, die die unglaublichsten Stunts in den hohen Wellen vorfuehrten. Die waren teilweise echt gut. Es gab aber auch noch Wellenreiter und Kitesurfer.

Am dritten und letzten Tag leihte Peter sich ein Surfbrett mit Segel aus, und wollte sein Bestes versuchen. Der Tag war extrem windig, und dementsprechend die Wellen hoch. Wir suchten uns eine kleine Bucht aus, die ein wenig geschuetzt lag, so dass die Wellen nicht ganz so hoch waren. Der Wind nahm jedoch bestaending zu und wurde dann einfach zu stark, um nach so vielen Jahren wieder mit dem Windsurfen anzufangen. Er musste feststellen, dass Surfen auf dem Balaton in Ungarn doch noch mal ganz anders war.

Jericoacara ist sehr touristisch. Ueberall wo man hinschaute und vor allem hinhoerte, traf man Deutsche und andere Europaer, die hier ihren Strand- bzw. Surfurlaub verbringen. Ansonsten ist die Atmosphaere sehr schoen hier. Tagsueber die Aussicht auf das tuerkisblaue Meer, Strand und beige Duenen. Abends kommen die Sterne heraus und ab und an blitzt eine Sternschnuppe ueber die Capoeira-Taenzer am Strand auf. Wenn man vom Strand in den Ort hinein laeuft, dringt ueberall nette Musik an deine Ohren, ueberall brennen dezente Lichter und der Weg ist gesaeumt mit Staenden, wo du dir ein wohlschmeckendes Getraenk (ausschliesslich alkoholische Cocktails und Longdrinks zu Spottpreisen – das Wasserglas Caipirinha fuer knapp 1 Euro) mixen lassen kannst.

h1

Der Weg zum Ziel

November 14, 2006

Nach dem Abenteuer in Lençois begann ein Neues. Am naechsten Tag wollten wir unbedingt weiter, aber nicht mit einem dieser ueberteuerten Busse, auf denen man vom Weiten schon Turismo lesen kann. So fuhren wir dann fuer wenig Geld wie die Bewohnerinnen und Bewohner der hiesigen Kuestenregion.

Auf der ueberdachten Ladeflaeche eines Toyotas mit Allradantrieb ging es von Barreirinhas nach Tutoía. Die Fahrt war sehr abenteuerlich, und begann erstmal damit, dass der Fahrer was am Motor reparieren musste. Die Wege waren sandig und holprig, der Wagen schaukelte hin und her, und man musste die ganze Zeit aufpassen, nicht von den Aesten der am Weg stehenden Baeume erschlagen zu werden. Allradtoyota mit Z<p>weiradAb und zu blieben wir im Sand stecken Toyota Allrad mit Defektund ein anderes mal ging es ueberhaupt nicht mehr weiter. Irgendein Teil an der Kupplung war kaputt gegangen, und so standen wir erstmal in der Mittagshitze in der Gegend rum. Da man sowieso nur abwarten konnte bis jemand ein Erstazteil brachte, suchten wir uns ein schattiges Plaetzchen unter einem riesigen Cashewbaum und versuchten, die Ruhe ein wenig zu geniessen. Doch mit der Ruhe war nicht viel. Ein riesiges schwarzes Schwein lief grunzend und mit der Nase im Dreck wuehlend durch das Gestruepp und wir fluechteten uns mal vorsichtshalber den Baum hinauf – man weiss ja nie wie diese wilden Saeue so drauf sind.

Nach 7 Stunden kamen wir dann in Tutoía an. Wir waren total muede und staubig von Kopf bis Fuss und der Hintern tat weh von den Holzbaenken. So geschah an diesem Abend nicht mehr viel.

Am naechsten Tag waehlten wir wieder einen herkoemmlichen Bus, um unsere Hintern zu schonen. Wir fuhren nach Parnaiba, von wo aus wir das letzte Stueck zu unserem eigentlichen Ziel Jericoacoara noch am selben Tag in Angriff nehmen wollten. Pustekuchen. Es gab nur Touri-Agenturen, die uns fuer 180 Euro mit nem Jeep nach Jeri kutschiert haetten. Aber das war definitiv viel zu teuer. So hingen wir in einer Stadt fest, die so nix weiter fuer uns zu bieten hatte. Das kann die Stimmung ganz schoen nieder machen.

Am Abend fuhren wir dann unserem Ziel ein wenig entgegen, nach Camocim, 80-100 km entfernt von Jericoacoara. Wir uebernachteten in einer billigen Pousada und am naechsten Tag ging es dann wesentlich preiswerter mit einem aehnlichen Allrad-Gefaehrt wie schon zuvor nach Jeri. Wir fuhren die meiste Zeit an der Atlantikkueste entlang, die Wasserfarbe variierte je nach Tiefe von tuerkis bis dunkelblau. Auf der anderen Seite des Wagens sah man den Sand sich in mal mehr, mal weniger hohen Duenen aufbauen.

h1

Bettlaken

November 14, 2006

Von Sao Luis aus fassten Kathi und ich den Ort Jericoacoara, auch liebevoll Jeri genannt, ins Auge. Wir hatten schon viel von diesem netten Oertchen direkt am Meer gehoert und wollten nun den Spuren der lieben Menschen folgen, die zuvor in Jeri waren und danach unseren Weg kreuzten.

Lorena, unsere Gastgeberin aus Alter do Chao, hatte uns auch von einem LKW berichtet, der von São Luís aus nach Jericoacara fahren würde, an den Stränden vorbei und durch die Dünen. Sie hatten mit dh.esem LKW vor einem halben Jahr 3 Tage für die Strecke gebraucht, was sich aber lohnen sollte angesichts der Atem beraubenden Landschaft und des günstigen Fahpreises.

Mysteriös war allerdings, dass in São Luis niemand, aber auch wirklich niemand, je von dieser Transportmöglichkeit gehört hatte. Wir fragten alte Leute, Touri-Infos und Taxifahrer. Jeder hatte irgendeine Idee, wie wir nach Jeri kommen konnten, aber einen solchen LKW, nein, sowas gäbe es in São Luís nicht.

Nachdem wir nochmal bei Lorena in Alter do Chão angerufen hatten und immer noch nicht viel schlauer waren, gaben wir die Suche auf und entschieden uns für jene der Ideen, die der LKW-Reise am nächsten kam. Anstatt den Großteil der Strecke mit dem Bus zurück zu legen, wollten wir nun in kleinen Schritten durch die kleinen Örtchen hinter den Dünen entlang.

Der erste dieser kleinen Orte nennt sich Barreirinhas, ein kleiner Ort inmitten von Sand. Ja, genau, von Sand. Die Landschaft wechselt sich ab zwischen Palmen, Cashey-Baeumen, die auf Sand wachsen und dann wieder Sand ohne Flora, der sich in mehr oder minder grossen Duenen windet.

Barreirinhas dient auch als Jumping-Off Punkt zum Nationalpark Lençois Maranhense. Dort gibt es Sand, wie Sand am Meer. Da wollten wir gar nicht hin. Nicht wegen des vielen Sandes, sondern weil das so Touri-like ist und alles was nach Touri riecht ist teuer. Aber irgendwie hat sich alles so zusammen gefuegt, dass wir doch da waren.

In dem kleinen Ort irgendwann nachts angekommen, belagerten und so ein paar Halbstarke, die uns unbedingt in die eine oder andere Herberge bringen wollten und uns dabei ziemlich auf die Nerven gingen. Das hat echt keinen guten Stil und wir wollten erst recht niemandem von denen die Provision goennen. Allerdings brauchten wir ja trotzdem eine Unterkunft und fragten an einem Platz ein Paerchen nach ‘ner netten und preiswerten Option. Er fuehrte uns dann zur Pousada Brasilia und klopfte die Besitzerin aus dem Bett, ohne seine zurueckgelassene Freundin weiter zu beachten.

Den naechsten Tag liessen wir etwas ruhiger angehen. Arthur, der nette Kerl vom Abend, ist Reisefuehrer, wie sich spaeter herausstellte. Er machte uns preislich echt ein gutes Angebot fuer einen Besuch im Nationalpark Lençois Maranhenses. Doch wir hatten eigentlich ueberhaupt keinen Bock auf ne Touri-Tour mit zig anderen Leuten, meist dicke BrasilianerInnen im Kurgaststil, Shorts, Sonnenhut und Sonnenbrille. Arthur versprach uns eine eigene Fuehrung  ueber die Duenen und zu den Lagunen, so das wir nach langem Ueberlegen das Angebot annahmen…

…und es nicht bereuten. Der Sand woelbt sich in abertausenden von Duenen dahin. In manchen der Taeler sind kleine Regenwasserbecken, in denen man baden und planschen kann. Die trocknen immer wieder aus und dennoch gibt es dort kleine Fische drin. Man glaubt an Wunder.

Die Duenen sehen so aus, als haette der liebe Gott ein Bettlaken ueber die Erde geworfen und vergessen, die Falten zu glaetten. Daher auch der Name Lençois, denn das heisst einfach nur Bettlaken.

LencoisLençois1Lençois
Fuer uns war Lençois eine riesige Spielwiese, d.h. eigentlich ein riesiger Sanfkasten. Nur ohne Foermlichen. Aber wir sind den ganzen Nachmittag ausgelassen in den Duenen herumgetollt, mal in diese, mal in jene Lagune gehuepft und haben viele, viele Fotos von Sand mit Himmel und Himmel mit Sand gemacht.

Wir blieben bis zum Sonnenuntergang, der zwar sehr romantisch war, aber den wir uns wieder mit den ganzen anderen Leuten teilen mussten, denen wir vorher aus dem Weg gegangen waren.

Lençois

h1

Belem und das Meer

November 7, 2006

Wir erreichten Belem mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, weil Belem fuer uns so zu sagen das Sprungbrett zur Reise an der Kueste entlang und Eingangspforte nach North-East Brasil (so wird es immer genannt) war. DAs weinende Auge trauerte aund trauert immer noch Amazonien hinterher, das uns so gut gefallen hat.

Netterweise hatten uns Lorena und Angelo, bei denen wir in Alter do Chao gewohnt haben, die Adresse von Ahstna in Belem gegeben. Sie hat ein vegetarisches Restaurant und wir konnten in ihrem Abstellzimmer unsere Haengematten aufhaengen und dort gegen einen kleinen Beitrag zu Essen, Wasser und Strom wohnen. Es ist immer super, wenn man so privaten Kontakt zu den Leuten hat, denn ueber Ahstna und die Leute ihrer Kirche, sie ist bei Santo Deime (dazu spaeter viel mehr), haben wir noch eine Reihe anderer Leute kennen gelernt, mit denen wir am Wochenenden noch am Meer waren.

Die Fahrt dahin war verdammt strapazioes, aber es hatte sich gelohnt. Der Atlantik ist grossartig. Wenn die Flut kam, gabs auch richtig Wellen. Wir waren fast direkt auf dem Aequator, dementsprechend stark die Sonne. Wir haben uns beide einen Sonnenbrand geholt.

Seit Wochen wollten wir schon mal Eierpfannkuchen machen, aber da wir immer mit Leuten zusammen reisten, die entweder keine Milch oder keine Eier essen konnten, haben wir es immer aufgeschoben. Und nun endlich waren wir mal mit unkomplizierten Leuten unterwegs, die sowohl als auch assen und wir haben ne wahre Eierpfannkuchen-Orgie veranstaltet: Apfelpfannkuchen, Pilz-Pfannkuchen, salzige mit Avocadocreme, suesse mit Karamel usw.

Am S0nntag wollten wir Mittags los, da wir abends einen Bus kriegen mussten, den wir schon bezahlt hatten, und es lagen 180 km und eine Ueberfahrt von der Insel Algodaol, auf der wir waren, zum Festland vor uns. Die anderen Leute, mit denen wir wohnten, waren nachts zuvor lange unterwegs, dementsprechend haben wir uns am Sonntag Morgen alleine auf zum Strand gemacht. Der eine hatte nicht vor, das Haus zu verlassen, sodass wir jeder Zeit zurueck kommen konnten. Pustekuchen. Er war doch mit den anderen weggegangen und wir konnten sie nirgends finden.

Also mussten wir in das Haus einbrechen, um an unsere Sachen zu kommen. Als Peter dann endlich drin war und die Haelfte der Klamotten durch einen Spalt im Fenstergitter gereicht hatte, kamen die Jungs und Maedels dann auch zurueck.

Die ganze Aktion hat uns ziemlich viel Zeit gekostet und die Rueckfahrt war super stressig, da wir staendig irgendwo warten mussten, dann noch in einen Stau kamen und die Uhr tickte. Wir haetten um 20.00 am Bus sein sollen um 20.35 kamen wir dort an. Zum Glueck gerade noch rechtzeitig. Peter nennt das zeitoptimiert. Kathi findets verrueckt.

Obwohl wir nicht viel gemacht haben das Wochenende ueber, waren wir ganz schoen geschafft und haben uns nach Sao Luis geschlafen.

h1

Eine Bootsfahrt die ist lustig…

November 3, 2006

…eine Bootsfahrt die ist schön, ja da kann man was erleben …

Es waren einmal ein Männlein und zwei Fräuleins, die noch an das Gute im Menschen glaubten. So begab es sich, dass sie die Nacht vor ihrer Abreise nach Belém auf einem Boot im Hafen von Santarém übernachteten. Der Hafen war videoüberwacht, es gab Wachmänner und es kamen nur Leute mit gültigem Ticket hinein. Daher taten die drei Reisenden folgendes: sie hingen ihre Hängematten an Bord auf, legten die Sachen, die sie für die Nacht brauchen würden, hinein, schlossen ihr restliches Hab und Gut im Schlafgemach eines Matrosen ein (denn so ganz trauten sie dem Frieden doch nicht) und gingen in die Stadt.
Nachdem sie ein Lebenszeichen an die Zurückgebliebenen in der Heimat versandt hatten, kehrten sie zum Boot zurück. Sie mussten feststellen, dass einige Sachen aus ihren Hängematten fehlten. Nachdem die erste Entäuschung vorüber war, beschlossen die Drei den Matrosen zu befragen. Auf die Frage hin, ob die Rucksäcke in seinem Schlafgemach denn sicher wären, antwortete dieser nur: „Kann sein, kann aber auch nicht sein!“ Das kam den Reisenden seltsam vor und so nahmen sie sich ihre Taschen und kontrollierten sie. Auch in den Rucksäcken fehlten Sachen, obwohl nur er einen Schlüssel besass. Nach einer zwecklosen Diskussion mit dem Matrosen machten die Drei sich enttäuscht, traurig und wütend zugleich ins Bett, ihre letzten Habseligkeiten unter oder in den Hängematten.
Am nächsten Morgen riefen sie, auch auf Anraten einiger am Hafen beschäftigter Brasilianer, die Polizei. Diese durchsuchte das ganze Boot, doch es wurde nix gefunden. Obwohl jeder wusste, dass der Matrose die Sachen gestohlen oder zumindest geholfen hatte, sie zu stehlen, konnten die Beschädigten ihn nicht anzeigen (es fehlten die Beweise). Dennoch fuhr das bestohlene Männlein mit auf die Polizeiwache und gab einen Bericht auf – vielleicht haben die armen Reisenden in Deutschland eine nette Versicherung, die ihnen ein wenig des Verlustes zurückerstattet.

Ihr muesst euch keine Sorgen machen, das Meiste waren nur Klamotten, allerdings ist Peters Kulturbeutel auch weg. Das teuerste war wohl das Handy. Sorry Mama! Und dein Moskitonetz ist auch weg. Melli, deine Vliesjacke wurde auch gestohlen. Entschuldige.
Immerhin hatten wir unsere Papiere, unser Geld und alle anderen elektronischen Geräte, wie Peters Kamera, bei uns.

h1

Das Dschungelbuch

November 3, 2006

Es war einmal ein kleiner Junge, der von Wölfen aufgezogen worden war. Man nannte ihn daher Woki (die Tiere im Wald konnten „Wolfskind“ wegen der vielen Konsonanten nicht so gut aussprechen, deswegen kürzten sie es einfach ab. Der Nasenbär nuschelte stark, weswegen der Junge in manchen Überlieferungen auch schon mal Mogli genannt wird.) Die Kindheit des Jungen ist weitestgehend bekannt, wenngleich auch vollkommen verzogen dargestellt.
Als er etwas größer war, machte er sich mit seiner Gefährtin Ka (Auch hier hatte ihr eigentlicher Name Kathrin zu schwierige Laute für die Tierzungen. Vermutlich war es auch hier der schusselige Nasenbär, der das Gerücht in die Welt gesetzt hat, Ka sei eine fiese Schlange.) auf, um den größten Dschungel der Welt zu erkunden, den Amazonas. Das bisschen heimischer Urwald muss wohl ein wenig langweilig geworden sein.

Nach den Abenteuern rund um Alter do Chão, sollte es nun noch etwas tiefer in den Wald hineingehen – auf ganz konventionelle Art, mit dem Bus. Es lebe die  Globalisierung.  Der Bus fuhr von Santarém, einer doch recht stattlichen Stadt. Je weiter der Bus fuhr, desto kleiner wurden die Ortschaften. Jamaracuá, das Ziel von Woki, Ka, und ihren Weggefaehrtinnen Txutxi und Stacey, schien auf den ersten Blick nicht mehr als ein Fussballfeld inmitten von Kautschukbaeumen zu sein. Auf den zweiten Blick kamen dann ein paar Huetten rund um das Fussballfeld zum Vorschein und ein etwas groesseres Haus, das Pedrinho und seiner Frau Dona Concepcion gehoeren sollte. Diese beiden, sollten wir suchen, den bei ihnen koenne man unterkommen. Und wir sind nicht einfach nur unter- gekommen, sondern wir wurden herzlichst willkommen geheissen. Sie haben ein offenes Haus, in dem unglaublich viele Leute rumliefen. Ohnehin leben in diesem Haus super viele Menschen unter einem Dach. Aber es muessen an diesem Abend noch jede Menge andere Leute aus der comunidade da gewesen sein. Wie wir spaeter gewahr wurden, schmiss Pedrinho jeden Abend einen Generator an, der sein Haus und die nah gelegene Kneipe mit Strom versorgte. Die Leute warteten offensichtlich auf Einbruch der Dunkelheit, den mit Strom gabs auch Fernsehen. Das ganze Volk versammelte sich, um eine Daily Soap zu gucken, danach loeste sich das ganze wieder auf. Und anscheinend ist der Diesel im Generator jedesmal so kalkuliert, dass er auch direkt nach der Soap mit einem merkwuerdigen Glucksen ausgeht.

Das erschwert das Kochen in fremden Kuechen ein wenig, doch liessen sich die 4 Reisenden nicht abhalten, sich ein leckeres Nudelgericht zu bereiten und zu verschlemmen, um dann fuer den naechsten Tag geruestet zu sein. Denn da sollte es auf grosse Walderkundung gehen. Naja, so gross auch nicht. Der Wald war gross, und v.a. die Baeume. Da staunten sie nicht schlecht, als sie an einen Baum kamen, fuer den man 16 Leute braucht, um ihm zu umarmen. Auch andere Baumriesen, die untenrum nicht ganz so ausladende gebaut waren, aber dafuer nicht uebel hoch, beeindruckten sehr. Schade, dass der presidente da comunidade (der Ortsvorsteher), der sich an diesem Tag persoenlich um die Besucher kuemmerte, es so eilig hatte. Waere Woki und die anderen alleine da durchgelaufen, haetten sie statt 4 Stunden sicher den ganzen Tag oder die ganze Woche fuer die knapp 8 km gebraucht und genossen. Vermutlich rannte er deshalb so, weil er sich mit verschiedenen Damen der Gemeinde verabredet hatte, die auf die 4 mit ihrem selbstgefertigten Schmuck warteten, auf dass sie ein grosses Geschaeft machten. Doch daraus wurde nichts, da Txutxi selbst Schmuck aus den Fruechten des Waldes herstellen will und so fanatisch nach allen moeglichen Samen und Fasern her war, dass die anderen Nichts mehr davon sehen oder hoeren wollten.

Pedrinhos Haus liegt direkt am Strand und das erste was Woki, Ka und ihre Begleiterinnen machen wollten, als sie ankamen, war, in den grossen Ozean-Fluss (der Tapajos ist so breit, dass man das andere Ufer nur erahnen kann) zu springen. Doch daraus wurde nichts, denn es gibt dort zu viel Hai gibt, nein, keine Haie, nur irgendwelche flunderartigen Biester mit nem Stachel, die einen in den Fuss pieksen, wenn man drauftritt. Aber es gibt etwas viel besseres nur 10 Minuten Fussweg entfernt: einen Iguarapé. Das ist ein tropisches Fluesschen, in der Trockenzeit nur ein breiter Bach, in der Regenzeit steigt er 12 oder 14 Meter an und ist dann beeindruckendes Gewaesser. Durch die schattige Waldlage ist das Wasser ueberraschend kuehl. Sehr klar und erfrischend. Der Besuch am Iguarapé wurde so zum Highlight eines jeden Tages. Dort kuehlten sich Woki und Ka ab, wuschen ihre Klamotten und angelten sich ihr Abendessen.

Ihr Gastgeber Pedrinho ist Mitgruender einer NGO namens Saude y Alegria (Gesundheit und Freude), die die medizinische Grundversorgung fuer Kinder und Jugendliche in der Region sicher stellen moechte. Die Organisation hat ein Haus auf einer Insel zwischen Iguarape und Fluss, das neu bedacht werden musste, d.h. alte Palmwedel ab und neue drauf. So verbrachten Woki, Ka, Stacey und Txutxi einen ganzen Nachmittag mit der Gemeinde und halfen bei der Arbeit so gut sie konnten.