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Das Dschungelbuch

November 3, 2006

Es war einmal ein kleiner Junge, der von Wölfen aufgezogen worden war. Man nannte ihn daher Woki (die Tiere im Wald konnten „Wolfskind“ wegen der vielen Konsonanten nicht so gut aussprechen, deswegen kürzten sie es einfach ab. Der Nasenbär nuschelte stark, weswegen der Junge in manchen Überlieferungen auch schon mal Mogli genannt wird.) Die Kindheit des Jungen ist weitestgehend bekannt, wenngleich auch vollkommen verzogen dargestellt.
Als er etwas größer war, machte er sich mit seiner Gefährtin Ka (Auch hier hatte ihr eigentlicher Name Kathrin zu schwierige Laute für die Tierzungen. Vermutlich war es auch hier der schusselige Nasenbär, der das Gerücht in die Welt gesetzt hat, Ka sei eine fiese Schlange.) auf, um den größten Dschungel der Welt zu erkunden, den Amazonas. Das bisschen heimischer Urwald muss wohl ein wenig langweilig geworden sein.

Nach den Abenteuern rund um Alter do Chão, sollte es nun noch etwas tiefer in den Wald hineingehen – auf ganz konventionelle Art, mit dem Bus. Es lebe die  Globalisierung.  Der Bus fuhr von Santarém, einer doch recht stattlichen Stadt. Je weiter der Bus fuhr, desto kleiner wurden die Ortschaften. Jamaracuá, das Ziel von Woki, Ka, und ihren Weggefaehrtinnen Txutxi und Stacey, schien auf den ersten Blick nicht mehr als ein Fussballfeld inmitten von Kautschukbaeumen zu sein. Auf den zweiten Blick kamen dann ein paar Huetten rund um das Fussballfeld zum Vorschein und ein etwas groesseres Haus, das Pedrinho und seiner Frau Dona Concepcion gehoeren sollte. Diese beiden, sollten wir suchen, den bei ihnen koenne man unterkommen. Und wir sind nicht einfach nur unter- gekommen, sondern wir wurden herzlichst willkommen geheissen. Sie haben ein offenes Haus, in dem unglaublich viele Leute rumliefen. Ohnehin leben in diesem Haus super viele Menschen unter einem Dach. Aber es muessen an diesem Abend noch jede Menge andere Leute aus der comunidade da gewesen sein. Wie wir spaeter gewahr wurden, schmiss Pedrinho jeden Abend einen Generator an, der sein Haus und die nah gelegene Kneipe mit Strom versorgte. Die Leute warteten offensichtlich auf Einbruch der Dunkelheit, den mit Strom gabs auch Fernsehen. Das ganze Volk versammelte sich, um eine Daily Soap zu gucken, danach loeste sich das ganze wieder auf. Und anscheinend ist der Diesel im Generator jedesmal so kalkuliert, dass er auch direkt nach der Soap mit einem merkwuerdigen Glucksen ausgeht.

Das erschwert das Kochen in fremden Kuechen ein wenig, doch liessen sich die 4 Reisenden nicht abhalten, sich ein leckeres Nudelgericht zu bereiten und zu verschlemmen, um dann fuer den naechsten Tag geruestet zu sein. Denn da sollte es auf grosse Walderkundung gehen. Naja, so gross auch nicht. Der Wald war gross, und v.a. die Baeume. Da staunten sie nicht schlecht, als sie an einen Baum kamen, fuer den man 16 Leute braucht, um ihm zu umarmen. Auch andere Baumriesen, die untenrum nicht ganz so ausladende gebaut waren, aber dafuer nicht uebel hoch, beeindruckten sehr. Schade, dass der presidente da comunidade (der Ortsvorsteher), der sich an diesem Tag persoenlich um die Besucher kuemmerte, es so eilig hatte. Waere Woki und die anderen alleine da durchgelaufen, haetten sie statt 4 Stunden sicher den ganzen Tag oder die ganze Woche fuer die knapp 8 km gebraucht und genossen. Vermutlich rannte er deshalb so, weil er sich mit verschiedenen Damen der Gemeinde verabredet hatte, die auf die 4 mit ihrem selbstgefertigten Schmuck warteten, auf dass sie ein grosses Geschaeft machten. Doch daraus wurde nichts, da Txutxi selbst Schmuck aus den Fruechten des Waldes herstellen will und so fanatisch nach allen moeglichen Samen und Fasern her war, dass die anderen Nichts mehr davon sehen oder hoeren wollten.

Pedrinhos Haus liegt direkt am Strand und das erste was Woki, Ka und ihre Begleiterinnen machen wollten, als sie ankamen, war, in den grossen Ozean-Fluss (der Tapajos ist so breit, dass man das andere Ufer nur erahnen kann) zu springen. Doch daraus wurde nichts, denn es gibt dort zu viel Hai gibt, nein, keine Haie, nur irgendwelche flunderartigen Biester mit nem Stachel, die einen in den Fuss pieksen, wenn man drauftritt. Aber es gibt etwas viel besseres nur 10 Minuten Fussweg entfernt: einen Iguarapé. Das ist ein tropisches Fluesschen, in der Trockenzeit nur ein breiter Bach, in der Regenzeit steigt er 12 oder 14 Meter an und ist dann beeindruckendes Gewaesser. Durch die schattige Waldlage ist das Wasser ueberraschend kuehl. Sehr klar und erfrischend. Der Besuch am Iguarapé wurde so zum Highlight eines jeden Tages. Dort kuehlten sich Woki und Ka ab, wuschen ihre Klamotten und angelten sich ihr Abendessen.

Ihr Gastgeber Pedrinho ist Mitgruender einer NGO namens Saude y Alegria (Gesundheit und Freude), die die medizinische Grundversorgung fuer Kinder und Jugendliche in der Region sicher stellen moechte. Die Organisation hat ein Haus auf einer Insel zwischen Iguarape und Fluss, das neu bedacht werden musste, d.h. alte Palmwedel ab und neue drauf. So verbrachten Woki, Ka, Stacey und Txutxi einen ganzen Nachmittag mit der Gemeinde und halfen bei der Arbeit so gut sie konnten.

Ein Kommentar

  1. …wie spannend! bin schon ganz heiß drauf, die Geschichte von Woki, Ka und den anderen weiterzulesen.

    Es lebe der Blog!

    LG Mama



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