
Bettlaken
November 14, 2006Von Sao Luis aus fassten Kathi und ich den Ort Jericoacoara, auch liebevoll Jeri genannt, ins Auge. Wir hatten schon viel von diesem netten Oertchen direkt am Meer gehoert und wollten nun den Spuren der lieben Menschen folgen, die zuvor in Jeri waren und danach unseren Weg kreuzten.
Lorena, unsere Gastgeberin aus Alter do Chao, hatte uns auch von einem LKW berichtet, der von São Luís aus nach Jericoacara fahren würde, an den Stränden vorbei und durch die Dünen. Sie hatten mit dh.esem LKW vor einem halben Jahr 3 Tage für die Strecke gebraucht, was sich aber lohnen sollte angesichts der Atem beraubenden Landschaft und des günstigen Fahpreises.
Mysteriös war allerdings, dass in São Luis niemand, aber auch wirklich niemand, je von dieser Transportmöglichkeit gehört hatte. Wir fragten alte Leute, Touri-Infos und Taxifahrer. Jeder hatte irgendeine Idee, wie wir nach Jeri kommen konnten, aber einen solchen LKW, nein, sowas gäbe es in São Luís nicht.
Nachdem wir nochmal bei Lorena in Alter do Chão angerufen hatten und immer noch nicht viel schlauer waren, gaben wir die Suche auf und entschieden uns für jene der Ideen, die der LKW-Reise am nächsten kam. Anstatt den Großteil der Strecke mit dem Bus zurück zu legen, wollten wir nun in kleinen Schritten durch die kleinen Örtchen hinter den Dünen entlang.
Der erste dieser kleinen Orte nennt sich Barreirinhas, ein kleiner Ort inmitten von Sand. Ja, genau, von Sand. Die Landschaft wechselt sich ab zwischen Palmen, Cashey-Baeumen, die auf Sand wachsen und dann wieder Sand ohne Flora, der sich in mehr oder minder grossen Duenen windet.
Barreirinhas dient auch als Jumping-Off Punkt zum Nationalpark Lençois Maranhense. Dort gibt es Sand, wie Sand am Meer. Da wollten wir gar nicht hin. Nicht wegen des vielen Sandes, sondern weil das so Touri-like ist und alles was nach Touri riecht ist teuer. Aber irgendwie hat sich alles so zusammen gefuegt, dass wir doch da waren.
In dem kleinen Ort irgendwann nachts angekommen, belagerten und so ein paar Halbstarke, die uns unbedingt in die eine oder andere Herberge bringen wollten und uns dabei ziemlich auf die Nerven gingen. Das hat echt keinen guten Stil und wir wollten erst recht niemandem von denen die Provision goennen. Allerdings brauchten wir ja trotzdem eine Unterkunft und fragten an einem Platz ein Paerchen nach ‘ner netten und preiswerten Option. Er fuehrte uns dann zur Pousada Brasilia und klopfte die Besitzerin aus dem Bett, ohne seine zurueckgelassene Freundin weiter zu beachten.
Den naechsten Tag liessen wir etwas ruhiger angehen. Arthur, der nette Kerl vom Abend, ist Reisefuehrer, wie sich spaeter herausstellte. Er machte uns preislich echt ein gutes Angebot fuer einen Besuch im Nationalpark Lençois Maranhenses. Doch wir hatten eigentlich ueberhaupt keinen Bock auf ne Touri-Tour mit zig anderen Leuten, meist dicke BrasilianerInnen im Kurgaststil, Shorts, Sonnenhut und Sonnenbrille. Arthur versprach uns eine eigene Fuehrung ueber die Duenen und zu den Lagunen, so das wir nach langem Ueberlegen das Angebot annahmen…
…und es nicht bereuten. Der Sand woelbt sich in abertausenden von Duenen dahin. In manchen der Taeler sind kleine Regenwasserbecken, in denen man baden und planschen kann. Die trocknen immer wieder aus und dennoch gibt es dort kleine Fische drin. Man glaubt an Wunder.
Die Duenen sehen so aus, als haette der liebe Gott ein Bettlaken ueber die Erde geworfen und vergessen, die Falten zu glaetten. Daher auch der Name Lençois, denn das heisst einfach nur Bettlaken.
Fuer uns war Lençois eine riesige Spielwiese, d.h. eigentlich ein riesiger Sanfkasten. Nur ohne Foermlichen. Aber wir sind den ganzen Nachmittag ausgelassen in den Duenen herumgetollt, mal in diese, mal in jene Lagune gehuepft und haben viele, viele Fotos von Sand mit Himmel und Himmel mit Sand gemacht.
Wir blieben bis zum Sonnenuntergang, der zwar sehr romantisch war, aber den wir uns wieder mit den ganzen anderen Leuten teilen mussten, denen wir vorher aus dem Weg gegangen waren.


