
Diamantenrausch – extreme
Dezember 4, 2006Nach 2 Tagen in Salvador mussten wir wieder raus aus der grossen Stadt und wollten das diesmal richtig tun, nicht wieder von einer Stadt in die naechste. Wir bekamen von mehreren unserer ReisebegleiterInnen aus Amazonien den Tipp, die so genannte Chapada Diamantina zu durchtrekken. Die Chapada ist ein huegeliges, eigentlich sehr trockenes Gebiet, indem in frueheren Zeiten der Diamanten-Abbau, bzw. die Diamantensuche gross war. Bis heute kann man dort Diamanten finden, man muss mit ein Bisschen Glueck noch nicht einmal gross suchen. Aber viel Abbau gibt es da nicht mehr, denn es lassen sich wenig wirklich edle Steine dort finden, sondern v.a. Industriediamanten, der nach den grossen Projekten der Franzosen, Panama-Kanal, Suez-Kanal und Gottharttunnel im vorletzten Jahrhundert nicht mehr in den Massen gefragt war.
Irgendwann in den achtziger Jahren liess sich daher die Regierung ueberreden, den schoeneren Teil der Chapada, der wo Berge und Fluesse und Waelder und Wiesen eine weniger trockene und wunderschoene Landschaft bilden, als Nationalpark vor dem industriellen Diamanten-Abbau zu schuetzen. Einige Familien leben dort zwar immer noch vom Diamant, dann suchen sie diese aber auf ‘traditionelle’ Art: bis zu den Knien im Fluss stehen und den ganzen Tag Wasser schoepfen, damit alle paar Tage mal ein Brilli zum Vorschein kommt, der gross genug ist, um ihn zu verkaufen.
Wir wollten auch mal unser Glueck bei Diamantensuche versuchen und das begab sich so…
In der Nacht vor Kathis Geburtstag fuhren wir mit dem Bus in das kleine Oertchen Lencois, wo wir eigentlich gar nicht hinwollten, aber wo man als Touri nun mal hinfaehrt, wenn man in die Chapada will. Gluecklicherweise konnten wir von da auch gleich weiterfahren in Richting Capao, ein Tal, wo sich v.a. Nouveau-Hippies, so nennt unser Reisefuehrer solche Leute, angesiedelt haben, die auf Suche nach einem natuerlicheren Lebensstil sind. Kathi, die Aermste, hatte bis dahin immer noch kein Wort der Gratulation gehoert, obwohl sie ihren Geburtstag schon um 20 Uhr Ortszeit am Abend zuvor begonnen hat. In Good Old Germany schlug es ja da schon zwoelfe und sie dachte sich, sie sollte mal ihr Zwillingsschwesterchen anrufen um ihr zu gratulieren, aber das ging schief, weil die schon schlief. Peter weigerte sich, den Geburtstag im Bus zu begehen und so musste die Aermste sich erst ihr Geburtstagsgeschenk hart erarbeiten, bis sie ihren Ehrentag feiern konnte: In Capao angekommen stiegen wir 6 km bergauf. Dafuer brauchten wir den halben Tag, weil wir immer wieder von heftigem Regen begossen wurden, als waeren wir ausgetrocknete Alpenveilchen. Durch den Regen, war der Pfad mehr Bach und immer wieder mussten wir uns die Schuhe ausziehen, um die ein oder andere Ueberschwemmung zu durchwaten.
Aber die Anstrengung lohnte sich, denn wir waren auf dem Weg zu dem hoechsten Wasserfall Brasiliens. 420 Meter stuerzt dort das Wasser senkrecht in die Tiefe und nimmt so viel Geschwindigkeit auf, dass es vom Fallwind aufgestaeubt wird – weswegen der Wasserfall auch Fumaça (Rauch) heisst.
Jetzt musst wir aber endlich mal Kathis Geburtstag begehen und haben erstmal lecker Nudeln mit Tomatensosse gekocht, uns ein bisschen in der Gegend herumgetrieben und dann, als die ganzen Touris gegangen waren hatten wir das ganze Plateau samt Wasserfall fuer uns ganz alleine. Naja, mit der Ausnahme eines Rastamanns, der irgendwo in einer Felsspalte sitzend, wunderschoen Floete spielte – bestimmt extra fuer Kathi. So blieben wir bis zum Sonnenuntergang und als auch der Floetenspieler wieder ins Tal schlenderte, schlugen wir unser Zelt auf und als um sieben die Sonne schlafen ging, gingen wir einfach mit.
Nach diesem Tag zur Einstimmung sollte am folgenden Morgen unser eigentliches Abenteuer in der Chapada erst beginnen. Wir wachten inmitten der Wolken auf, dichte dunkle Wolken, die zwar nicht auf uns herabregneten, wie auch, wir waren ja mittendrin, aber doch die Luftfeuchtigkeit auf 100% hielten. Wir brauchten ein Bisschen, zu merken, dass die Troepfchen auf unserem Zelt kein Regen, sondern mehr ein genereller Umstand der Wetterlage war, der nicht aufhoeren wuerde. Also standen wir auf, packten alles so feucht wie es war ein und schlurften auf dem Bachpfad wieder zurueck ins Tal. In dem kleinen Oertchen dort angekommen, schien uns die Sonne aufs Haupt und trocknete uns aus. Also erstmal Wasserkur, was Essen und dann wieder in den Busch. Halb wieder raus aus dem Ort und das Tal runter, erzaehlte uns jemand von einer grossartigen Karte, die wir uns doch, da wir, oh je oh je, ja ohne Fuehrer unterwegs waren, doch wenigstens anschaffen sollten. Gut, da sich wirklich jeder wunderte, dass wir ohne Fuehrer in die Chapada wollten, und wir kein grossartiges Kartenmaterial hatten, dachten wir uns, das sei wirklich keine schlechte Idee. Peter ist also nochmal den ganzen Weg zurueck gewetzt, hat die Karte gesucht, keine bekommen und dann wieder zu Kathi, die sich ausruhte und Tagebuch schrieb und auf die Sachen aufpasste. Nachdem wir uns ausreichend geaergert hatten, dass das ganze Tageslicht verplempert hatten, liefen wir so schnell uns unsere Beinchen (die einen kurz, die anderen duerr) trugen gen Wald um noch einen netten Zeltplatz zu finden.
Dummerweise war der ganze Wald dort noch privat und mit Stacheldraht umzaeunt. Irgendwann fanden wir so ne kleine Landzunge, die in den Bach reinragte und auf der anderen Seite von Regenfluessen abgeschnitten war. In diesem Regenbachtal machten wir ein kleines Feuerchen um grossartige Nudeln mit Tomatensosse zu kochen. Auf der Zunge schlug Kathi, nachdem sie die Pferdeaepfel naseruempfend beseitigt hatte, unser Zelt auf. Bettzeit 7 Uhr. Aufwachen im Sonnenaufgang, sprich 5 Uhr morgens.
Aufstehen im Regen. Juchuh. Wir liefen weiter ins Tal, ueberquerten reissende Gebirgsfluesschen, bis es irgendwann bergauf ging. Und bergauf und immer weiter bergauf. Der Weg war neben bei bemerkt, ganz schoen glitschig durch den vielen Regen und den omnipraesenten Matsch, so dass Kathi sich mal aufs Popoechen setzte und echt ein bisschen genervt war. (Eigentlich war sie nur auf die Trostkekse aus, die wir fuer solche Situationen immer dabei haben).



Hallo ihr Beiden,
wieviel Kilo Trostkekse hattet ihr denn dabei?
Euer Hike scheint ja ziemlich anstrengend und feucht gewesen zu sein. Kathi entwickelt sich noch zu einer „Wandervögelin“
[...] Insbesondere in der Chapada hast du mich seeehr positiv ueberrascht. Ich hatte einiges Gejammer befuerchtet, weil du ja nie zuvor gewandert bist und mich schon im Vorfeld so sehr gewarnt hast, ich muesse ach so viel Ruecksicht auf dich nehmen. [...]