Archiv für die Kategorie ‘Hintergründe Brasilien’

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Manaus

Oktober 16, 2006

Nachdem wir in Boa Vista eine ruhige Kugel geschoben haben, weil (a) Feiertag war, (b) Kathi ein bisschen angeschlagen war, (c) mein Hoerbuch so spannend war und (d) wir einfach mal eine ruhige Kugel schieben MUSSTEN. Die letzten Tage haben schon geschlaucht. So wie die ersten Tage immer schlauchen. Alles ist neu, man moechte ALLES sehen, hoeren, fuehlen, schmecken und will auf keinen Fall etwas verpassen. So waren wir jeden Tag von morgens frueh bis abends spaet auf den Beinen, dann noch die Busfahrten ueber Nacht (die letzte war ganz schoen stressig) usw.

In Manaus sind wir wieder viel aktiver. Die Stadt ist groesser als wir erwartet hatten, etwa 1,8 Mio Leute leben hier. Im Reisefuehrer steht, sie sei nicht so schoen, aber uns gefaellt sie. Sie ist bunt und lebendig, es gibt ein richtiges Stadtzentrum mit Fussgaengerzone, was doch recht selten ist in Lateinamerika. Sie ist modern und der Handel lebt, nicht zuletzt durch die Einrichtung einer Freihandelszone seit den 1960ern.

Manaus erster Aufschwung war zu Zeiten des Kautschuk-Boom. Die Leute, d.h. einige wenige Leute, waren so reich, dass sie ihre Hemden nach London in die Reinigung schickten. Die Frauen der so genannten Kautschuk-Barone beschaeftigten sich den lieben langen Tag mit der Haute Couture aus Paris. Da Barone und Baronessen Unterhaltung brauchen, liessen sie sich ein riesiges Opernhaus bauen und die besten SchauspielerInnen und Regisseure aus Europa heran kommen. Hier in Manaus liess sich Buehnen-Ruhm erwerben. Da nahm man als Schauspieler schon mal in Kauf, an Malaria zu sterben, was tatsaechlich die Reihen der guten europaeischen SchauspielerInnen gut schmaelerte.

Irgendjemand schmuggelte ein paar Kautschuk-Pflaenzchen aus dem Amazonas und pflanzte sie irgendwo in Indonesien wieder an. Sie wuchsen dort so gut, dass Manaus richtig Konkurrenz bekam, die Preise verfielen und die Barone kaum mehr als Baroenchen waren. Synthetischer Gummi machte ihnen dann ganz den Garaus. Manaus verfiel bis in die 1960er Jahre, als irgendjemand auf die Idee kam, die Stadt als Freihandelszone auszurufen. So siedelte sich jede Menge Industrie, v.a. Elektro-Industrie hier an, was erneut zu einem Aufschwung Manaus’ fuehrte.

Wir haben das auch gleich genutzt, um uns im freien Handel ein neues Ladegeraet zu kaufen. Da hier in vielen Staedten 110 Volt sind und unser altes Geraet nur 220 kann, drohten uns der Strom knapp zu werden. Und das waere doch schade um die vielen schoenen Fotos (s. rechts unten), die wir hier schiessen!

Heute sind wir zum Bosque das Ciencas gefahren. Ein 130.000 m² grosses Urwaldstueck in einem der Stadtteile. Unsere Erkundungstouren dort haben uns zu Krokodilen, Schildkroeten, Aras, Affen, Fischen usw. gefuehrt. Alle freilebend – bis auf die Krokos, zum Glueck. Und jede Menge Ameisen gabs da. Von denen waren wir wohl am meisten beeindruckt. Das waren Blattameisen, keine Blattschneideameisen, wie man sie aus den Tierdokus im Fernsehen kennt. Die hier haben ganze Blaetter getragen! Saukrass!
Ansonsten sprechen unsere kalenderblatttauglichen Fotos zum Park mehr als es Worte tun koennen.

Morgen werden wir uns noch ein bisschen Kultur antun. Wir wollen uns auf jeden Fall noch das Theater von innen angucken und vielleicht noch in das Ethnologische Museum. 
Am Dienstag schiffen wir dann ein. Vermutlich fahren wir erstmal nach Santarem und dann 2 Tage darauf weiter bis ans Meer. Die Schiffsreise geht insgesamt deutlich schneller als wir dachten. Wir werden uns aber vermutlich erst wieder von Belem aus melden.

Viele Gruesse aus dem heissen Manaus von Kathi und Peter  

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zur Einstimmung…

September 25, 2006

Nun, jetzt sind es nur noch 11 Tage bis zum Abflug. Leider haben Kathi und ich noch irre viel zu tun. Kathi muss noch eine Klausur schreiben und auch noch aus ihrer Wohnung ausziehen, streichen usw. Da habe ich es besser. Ich muss zwar auch noch ein paar Sachen fertig machen, aber meinen Kram nur in Bananekartons packen und einen geeigneten Ort zur Lagerung finden.

Durch diesen ganzen Kram ist bislang noch überhaupt kein Reisefieber aufgekommen. Es fühlt sich nicht so an, als säßen wir schon binnnen 2 Wochen in den Tropen. Die Nase im Wind und dem Abenteuer entgegen, wie man wohl so sagt.

Das soll sich jetzt ändern. youtube eignet sich, wie ich feststellen musste, nicht dazu, sich „in Stimmung“ zu bringen, da man sich erst einmal durch die ganzen ätzenden Fußball-Videos wälzen muss, die erscheinen, wenn man nach „brasil“ sucht. Dann noch tausende stumpfsinnige Reiseclips von irgendwelchen Pubertierenden die halb nackten Mädchen am Strand hinterher lechzen.
Hatte die Suche schon bald aufgegeben, da viel mir diese nette Spot zu. Eine nette Fotocollage inkl. netter Musik. Zeigt leider nicht ganz Brasilien, sondern nur Rio de Janero, wo wir uns kaum Aufhalten werden, aber zur Einstimmung…

Also, für Kathi und alle anderen, die uns in diesem Blog folgen werden, zur Einstimmung… Trommelwirbel… Vorhang auf für…. Rio!

Wir planen eher, uns in Bahia aufzuhalten, d.h. jenem Teil von Brasilien, der am weitesten von den ehemaligen afrikanischen Sklaven beeinflusst ist. Dazu habe ich auch einen kleinen, lärmigen und bunten Clip gefunden, der zumindest einen Eindruck der „Folklore“ in Bahia liefert… zur Einstimmung…