Nachdem wir in Boa Vista eine ruhige Kugel geschoben haben, weil (a) Feiertag war, (b) Kathi ein bisschen angeschlagen war, (c) mein Hoerbuch so spannend war und (d) wir einfach mal eine ruhige Kugel schieben MUSSTEN. Die letzten Tage haben schon geschlaucht. So wie die ersten Tage immer schlauchen. Alles ist neu, man moechte ALLES sehen, hoeren, fuehlen, schmecken und will auf keinen Fall etwas verpassen. So waren wir jeden Tag von morgens frueh bis abends spaet auf den Beinen, dann noch die Busfahrten ueber Nacht (die letzte war ganz schoen stressig) usw.
In Manaus sind wir wieder viel aktiver. Die Stadt ist groesser als wir erwartet hatten, etwa 1,8 Mio Leute leben hier. Im Reisefuehrer steht, sie sei nicht so schoen, aber uns gefaellt sie. Sie ist bunt und lebendig, es gibt ein richtiges Stadtzentrum mit Fussgaengerzone, was doch recht selten ist in Lateinamerika. Sie ist modern und der Handel lebt, nicht zuletzt durch die Einrichtung einer Freihandelszone seit den 1960ern.
Manaus erster Aufschwung war zu Zeiten des Kautschuk-Boom. Die Leute, d.h. einige wenige Leute, waren so reich, dass sie ihre Hemden nach London in die Reinigung schickten. Die Frauen der so genannten Kautschuk-Barone beschaeftigten sich den lieben langen Tag mit der Haute Couture aus Paris. Da Barone und Baronessen Unterhaltung brauchen, liessen sie sich ein riesiges Opernhaus bauen und die besten SchauspielerInnen und Regisseure aus Europa heran kommen. Hier in Manaus liess sich Buehnen-Ruhm erwerben. Da nahm man als Schauspieler schon mal in Kauf, an Malaria zu sterben, was tatsaechlich die Reihen der guten europaeischen SchauspielerInnen gut schmaelerte.
Irgendjemand schmuggelte ein paar Kautschuk-Pflaenzchen aus dem Amazonas und pflanzte sie irgendwo in Indonesien wieder an. Sie wuchsen dort so gut, dass Manaus richtig Konkurrenz bekam, die Preise verfielen und die Barone kaum mehr als Baroenchen waren. Synthetischer Gummi machte ihnen dann ganz den Garaus. Manaus verfiel bis in die 1960er Jahre, als irgendjemand auf die Idee kam, die Stadt als Freihandelszone auszurufen. So siedelte sich jede Menge Industrie, v.a. Elektro-Industrie hier an, was erneut zu einem Aufschwung Manaus’ fuehrte.
Wir haben das auch gleich genutzt, um uns im freien Handel ein neues Ladegeraet zu kaufen. Da hier in vielen Staedten 110 Volt sind und unser altes Geraet nur 220 kann, drohten uns der Strom knapp zu werden. Und das waere doch schade um die vielen schoenen Fotos (s. rechts unten), die wir hier schiessen!
Heute sind wir zum Bosque das Ciencas gefahren. Ein 130.000 m² grosses Urwaldstueck in einem der Stadtteile. Unsere Erkundungstouren dort haben uns zu Krokodilen, Schildkroeten, Aras, Affen, Fischen usw. gefuehrt. Alle freilebend – bis auf die Krokos, zum Glueck. Und jede Menge Ameisen gabs da. Von denen waren wir wohl am meisten beeindruckt. Das waren Blattameisen, keine Blattschneideameisen, wie man sie aus den Tierdokus im Fernsehen kennt. Die hier haben ganze Blaetter getragen! Saukrass!
Ansonsten sprechen unsere kalenderblatttauglichen Fotos zum Park mehr als es Worte tun koennen.
Morgen werden wir uns noch ein bisschen Kultur antun. Wir wollen uns auf jeden Fall noch das Theater von innen angucken und vielleicht noch in das Ethnologische Museum.
Am Dienstag schiffen wir dann ein. Vermutlich fahren wir erstmal nach Santarem und dann 2 Tage darauf weiter bis ans Meer. Die Schiffsreise geht insgesamt deutlich schneller als wir dachten. Wir werden uns aber vermutlich erst wieder von Belem aus melden.
Viele Gruesse aus dem heissen Manaus von Kathi und Peter






