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Fotoleza

November 17, 2006

Kathi und ich mussten auf unserer Reise durch die Hafenstadt Fortaleza. Da wir aber keine grosse Lust hatten auf so ne grosse Industrie-Metropole, die kulturell nicht viel zu bieten hat, sind wir morgens mit dem Bus rein und abends wieder raus.

Die uebrige Zeit haben wir vor allem damit verbracht posts zu schreiben und – tataaaa – Fotos von den letzten 3 Wochen Reise hoch zu laden und wir empfehlen, sich die doch besser jetzt als spaeter anzugucken und sich ein bisschen Tropen, Sonne, Strand und Meer in den deutschen Herbst zu holen.

Wir jedenfalls schauen sie uns gerne immer wieder an…

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Dem Meer so nah

November 14, 2006

Den beschwerlichen Weg ans Meer, um genauer zu sein nach Jericoacoara, konntet ihr ja lesen. Dementsprechend waren wir froh, endlich angekommen zu sein. Das erste was wir taten (nachdem wir uns einen Platz zum Zelten gesucht hatten), war ins Meer zu springen, das direkt vor unserer Tuer lag. Die Temperatur war angenehm, nur die Wellen, die sich staendig vor einem, hinter einem, neben einem und ueber einem brachen, waren ganz schoen anstrengend. Es machte Spass, sich in die Wellen zu stuerzen und wir versuchten staendig auf den Wellen zu reiten, was uns teilweise sogar gelang.

Als wir wieder rauskamen, gingen wir erstmal auf die Suche nach unseren Klamotten, die wir auf den Steinen abgelegt hatten. Wir hatten ein wenig die Orientierung verloren, denn die Stroemung des Wassers hatte uns soweit vom urspruenglichen Ort weggetrieben. Zudem hatten wir das Gefuehl gehabt, dass die Flut herein gekommen und dass das Wasser gestiegen sein muesste. Dem war zum Glueck nicht so, denn wir hatten schon befuerchtet, dass all unsere Sachen, samt dem Brustbeutel von Kathi von den Wellen erfasst und in den Tiefen des Meeres verloren waren.

Nachdem kleinen Schock genossen wir erstmal die Mittagssonne unter den Cashewbaeumen unseres Zeltplatzes.

Die restliche Zeit verbrachten wir in Jericoacoara damit, zu schwimmen, auf einen nahegelegenen Huegel zu spazieren und den Ausblick zu geniessen und den Wassersportlern zuzuschauen. Am meisten faszinierten uns die Windsurfer, die die unglaublichsten Stunts in den hohen Wellen vorfuehrten. Die waren teilweise echt gut. Es gab aber auch noch Wellenreiter und Kitesurfer.

Am dritten und letzten Tag leihte Peter sich ein Surfbrett mit Segel aus, und wollte sein Bestes versuchen. Der Tag war extrem windig, und dementsprechend die Wellen hoch. Wir suchten uns eine kleine Bucht aus, die ein wenig geschuetzt lag, so dass die Wellen nicht ganz so hoch waren. Der Wind nahm jedoch bestaending zu und wurde dann einfach zu stark, um nach so vielen Jahren wieder mit dem Windsurfen anzufangen. Er musste feststellen, dass Surfen auf dem Balaton in Ungarn doch noch mal ganz anders war.

Jericoacara ist sehr touristisch. Ueberall wo man hinschaute und vor allem hinhoerte, traf man Deutsche und andere Europaer, die hier ihren Strand- bzw. Surfurlaub verbringen. Ansonsten ist die Atmosphaere sehr schoen hier. Tagsueber die Aussicht auf das tuerkisblaue Meer, Strand und beige Duenen. Abends kommen die Sterne heraus und ab und an blitzt eine Sternschnuppe ueber die Capoeira-Taenzer am Strand auf. Wenn man vom Strand in den Ort hinein laeuft, dringt ueberall nette Musik an deine Ohren, ueberall brennen dezente Lichter und der Weg ist gesaeumt mit Staenden, wo du dir ein wohlschmeckendes Getraenk (ausschliesslich alkoholische Cocktails und Longdrinks zu Spottpreisen – das Wasserglas Caipirinha fuer knapp 1 Euro) mixen lassen kannst.

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Der Weg zum Ziel

November 14, 2006

Nach dem Abenteuer in Lençois begann ein Neues. Am naechsten Tag wollten wir unbedingt weiter, aber nicht mit einem dieser ueberteuerten Busse, auf denen man vom Weiten schon Turismo lesen kann. So fuhren wir dann fuer wenig Geld wie die Bewohnerinnen und Bewohner der hiesigen Kuestenregion.

Auf der ueberdachten Ladeflaeche eines Toyotas mit Allradantrieb ging es von Barreirinhas nach Tutoía. Die Fahrt war sehr abenteuerlich, und begann erstmal damit, dass der Fahrer was am Motor reparieren musste. Die Wege waren sandig und holprig, der Wagen schaukelte hin und her, und man musste die ganze Zeit aufpassen, nicht von den Aesten der am Weg stehenden Baeume erschlagen zu werden. Allradtoyota mit Z<p>weiradAb und zu blieben wir im Sand stecken Toyota Allrad mit Defektund ein anderes mal ging es ueberhaupt nicht mehr weiter. Irgendein Teil an der Kupplung war kaputt gegangen, und so standen wir erstmal in der Mittagshitze in der Gegend rum. Da man sowieso nur abwarten konnte bis jemand ein Erstazteil brachte, suchten wir uns ein schattiges Plaetzchen unter einem riesigen Cashewbaum und versuchten, die Ruhe ein wenig zu geniessen. Doch mit der Ruhe war nicht viel. Ein riesiges schwarzes Schwein lief grunzend und mit der Nase im Dreck wuehlend durch das Gestruepp und wir fluechteten uns mal vorsichtshalber den Baum hinauf – man weiss ja nie wie diese wilden Saeue so drauf sind.

Nach 7 Stunden kamen wir dann in Tutoía an. Wir waren total muede und staubig von Kopf bis Fuss und der Hintern tat weh von den Holzbaenken. So geschah an diesem Abend nicht mehr viel.

Am naechsten Tag waehlten wir wieder einen herkoemmlichen Bus, um unsere Hintern zu schonen. Wir fuhren nach Parnaiba, von wo aus wir das letzte Stueck zu unserem eigentlichen Ziel Jericoacoara noch am selben Tag in Angriff nehmen wollten. Pustekuchen. Es gab nur Touri-Agenturen, die uns fuer 180 Euro mit nem Jeep nach Jeri kutschiert haetten. Aber das war definitiv viel zu teuer. So hingen wir in einer Stadt fest, die so nix weiter fuer uns zu bieten hatte. Das kann die Stimmung ganz schoen nieder machen.

Am Abend fuhren wir dann unserem Ziel ein wenig entgegen, nach Camocim, 80-100 km entfernt von Jericoacoara. Wir uebernachteten in einer billigen Pousada und am naechsten Tag ging es dann wesentlich preiswerter mit einem aehnlichen Allrad-Gefaehrt wie schon zuvor nach Jeri. Wir fuhren die meiste Zeit an der Atlantikkueste entlang, die Wasserfarbe variierte je nach Tiefe von tuerkis bis dunkelblau. Auf der anderen Seite des Wagens sah man den Sand sich in mal mehr, mal weniger hohen Duenen aufbauen.

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Bettlaken

November 14, 2006

Von Sao Luis aus fassten Kathi und ich den Ort Jericoacoara, auch liebevoll Jeri genannt, ins Auge. Wir hatten schon viel von diesem netten Oertchen direkt am Meer gehoert und wollten nun den Spuren der lieben Menschen folgen, die zuvor in Jeri waren und danach unseren Weg kreuzten.

Lorena, unsere Gastgeberin aus Alter do Chao, hatte uns auch von einem LKW berichtet, der von São Luís aus nach Jericoacara fahren würde, an den Stränden vorbei und durch die Dünen. Sie hatten mit dh.esem LKW vor einem halben Jahr 3 Tage für die Strecke gebraucht, was sich aber lohnen sollte angesichts der Atem beraubenden Landschaft und des günstigen Fahpreises.

Mysteriös war allerdings, dass in São Luis niemand, aber auch wirklich niemand, je von dieser Transportmöglichkeit gehört hatte. Wir fragten alte Leute, Touri-Infos und Taxifahrer. Jeder hatte irgendeine Idee, wie wir nach Jeri kommen konnten, aber einen solchen LKW, nein, sowas gäbe es in São Luís nicht.

Nachdem wir nochmal bei Lorena in Alter do Chão angerufen hatten und immer noch nicht viel schlauer waren, gaben wir die Suche auf und entschieden uns für jene der Ideen, die der LKW-Reise am nächsten kam. Anstatt den Großteil der Strecke mit dem Bus zurück zu legen, wollten wir nun in kleinen Schritten durch die kleinen Örtchen hinter den Dünen entlang.

Der erste dieser kleinen Orte nennt sich Barreirinhas, ein kleiner Ort inmitten von Sand. Ja, genau, von Sand. Die Landschaft wechselt sich ab zwischen Palmen, Cashey-Baeumen, die auf Sand wachsen und dann wieder Sand ohne Flora, der sich in mehr oder minder grossen Duenen windet.

Barreirinhas dient auch als Jumping-Off Punkt zum Nationalpark Lençois Maranhense. Dort gibt es Sand, wie Sand am Meer. Da wollten wir gar nicht hin. Nicht wegen des vielen Sandes, sondern weil das so Touri-like ist und alles was nach Touri riecht ist teuer. Aber irgendwie hat sich alles so zusammen gefuegt, dass wir doch da waren.

In dem kleinen Ort irgendwann nachts angekommen, belagerten und so ein paar Halbstarke, die uns unbedingt in die eine oder andere Herberge bringen wollten und uns dabei ziemlich auf die Nerven gingen. Das hat echt keinen guten Stil und wir wollten erst recht niemandem von denen die Provision goennen. Allerdings brauchten wir ja trotzdem eine Unterkunft und fragten an einem Platz ein Paerchen nach ‘ner netten und preiswerten Option. Er fuehrte uns dann zur Pousada Brasilia und klopfte die Besitzerin aus dem Bett, ohne seine zurueckgelassene Freundin weiter zu beachten.

Den naechsten Tag liessen wir etwas ruhiger angehen. Arthur, der nette Kerl vom Abend, ist Reisefuehrer, wie sich spaeter herausstellte. Er machte uns preislich echt ein gutes Angebot fuer einen Besuch im Nationalpark Lençois Maranhenses. Doch wir hatten eigentlich ueberhaupt keinen Bock auf ne Touri-Tour mit zig anderen Leuten, meist dicke BrasilianerInnen im Kurgaststil, Shorts, Sonnenhut und Sonnenbrille. Arthur versprach uns eine eigene Fuehrung  ueber die Duenen und zu den Lagunen, so das wir nach langem Ueberlegen das Angebot annahmen…

…und es nicht bereuten. Der Sand woelbt sich in abertausenden von Duenen dahin. In manchen der Taeler sind kleine Regenwasserbecken, in denen man baden und planschen kann. Die trocknen immer wieder aus und dennoch gibt es dort kleine Fische drin. Man glaubt an Wunder.

Die Duenen sehen so aus, als haette der liebe Gott ein Bettlaken ueber die Erde geworfen und vergessen, die Falten zu glaetten. Daher auch der Name Lençois, denn das heisst einfach nur Bettlaken.

LencoisLençois1Lençois
Fuer uns war Lençois eine riesige Spielwiese, d.h. eigentlich ein riesiger Sanfkasten. Nur ohne Foermlichen. Aber wir sind den ganzen Nachmittag ausgelassen in den Duenen herumgetollt, mal in diese, mal in jene Lagune gehuepft und haben viele, viele Fotos von Sand mit Himmel und Himmel mit Sand gemacht.

Wir blieben bis zum Sonnenuntergang, der zwar sehr romantisch war, aber den wir uns wieder mit den ganzen anderen Leuten teilen mussten, denen wir vorher aus dem Weg gegangen waren.

Lençois

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Belem und das Meer

November 7, 2006

Wir erreichten Belem mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, weil Belem fuer uns so zu sagen das Sprungbrett zur Reise an der Kueste entlang und Eingangspforte nach North-East Brasil (so wird es immer genannt) war. DAs weinende Auge trauerte aund trauert immer noch Amazonien hinterher, das uns so gut gefallen hat.

Netterweise hatten uns Lorena und Angelo, bei denen wir in Alter do Chao gewohnt haben, die Adresse von Ahstna in Belem gegeben. Sie hat ein vegetarisches Restaurant und wir konnten in ihrem Abstellzimmer unsere Haengematten aufhaengen und dort gegen einen kleinen Beitrag zu Essen, Wasser und Strom wohnen. Es ist immer super, wenn man so privaten Kontakt zu den Leuten hat, denn ueber Ahstna und die Leute ihrer Kirche, sie ist bei Santo Deime (dazu spaeter viel mehr), haben wir noch eine Reihe anderer Leute kennen gelernt, mit denen wir am Wochenenden noch am Meer waren.

Die Fahrt dahin war verdammt strapazioes, aber es hatte sich gelohnt. Der Atlantik ist grossartig. Wenn die Flut kam, gabs auch richtig Wellen. Wir waren fast direkt auf dem Aequator, dementsprechend stark die Sonne. Wir haben uns beide einen Sonnenbrand geholt.

Seit Wochen wollten wir schon mal Eierpfannkuchen machen, aber da wir immer mit Leuten zusammen reisten, die entweder keine Milch oder keine Eier essen konnten, haben wir es immer aufgeschoben. Und nun endlich waren wir mal mit unkomplizierten Leuten unterwegs, die sowohl als auch assen und wir haben ne wahre Eierpfannkuchen-Orgie veranstaltet: Apfelpfannkuchen, Pilz-Pfannkuchen, salzige mit Avocadocreme, suesse mit Karamel usw.

Am S0nntag wollten wir Mittags los, da wir abends einen Bus kriegen mussten, den wir schon bezahlt hatten, und es lagen 180 km und eine Ueberfahrt von der Insel Algodaol, auf der wir waren, zum Festland vor uns. Die anderen Leute, mit denen wir wohnten, waren nachts zuvor lange unterwegs, dementsprechend haben wir uns am Sonntag Morgen alleine auf zum Strand gemacht. Der eine hatte nicht vor, das Haus zu verlassen, sodass wir jeder Zeit zurueck kommen konnten. Pustekuchen. Er war doch mit den anderen weggegangen und wir konnten sie nirgends finden.

Also mussten wir in das Haus einbrechen, um an unsere Sachen zu kommen. Als Peter dann endlich drin war und die Haelfte der Klamotten durch einen Spalt im Fenstergitter gereicht hatte, kamen die Jungs und Maedels dann auch zurueck.

Die ganze Aktion hat uns ziemlich viel Zeit gekostet und die Rueckfahrt war super stressig, da wir staendig irgendwo warten mussten, dann noch in einen Stau kamen und die Uhr tickte. Wir haetten um 20.00 am Bus sein sollen um 20.35 kamen wir dort an. Zum Glueck gerade noch rechtzeitig. Peter nennt das zeitoptimiert. Kathi findets verrueckt.

Obwohl wir nicht viel gemacht haben das Wochenende ueber, waren wir ganz schoen geschafft und haben uns nach Sao Luis geschlafen.

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Eine Bootsfahrt die ist lustig…

November 3, 2006

…eine Bootsfahrt die ist schön, ja da kann man was erleben …

Es waren einmal ein Männlein und zwei Fräuleins, die noch an das Gute im Menschen glaubten. So begab es sich, dass sie die Nacht vor ihrer Abreise nach Belém auf einem Boot im Hafen von Santarém übernachteten. Der Hafen war videoüberwacht, es gab Wachmänner und es kamen nur Leute mit gültigem Ticket hinein. Daher taten die drei Reisenden folgendes: sie hingen ihre Hängematten an Bord auf, legten die Sachen, die sie für die Nacht brauchen würden, hinein, schlossen ihr restliches Hab und Gut im Schlafgemach eines Matrosen ein (denn so ganz trauten sie dem Frieden doch nicht) und gingen in die Stadt.
Nachdem sie ein Lebenszeichen an die Zurückgebliebenen in der Heimat versandt hatten, kehrten sie zum Boot zurück. Sie mussten feststellen, dass einige Sachen aus ihren Hängematten fehlten. Nachdem die erste Entäuschung vorüber war, beschlossen die Drei den Matrosen zu befragen. Auf die Frage hin, ob die Rucksäcke in seinem Schlafgemach denn sicher wären, antwortete dieser nur: „Kann sein, kann aber auch nicht sein!“ Das kam den Reisenden seltsam vor und so nahmen sie sich ihre Taschen und kontrollierten sie. Auch in den Rucksäcken fehlten Sachen, obwohl nur er einen Schlüssel besass. Nach einer zwecklosen Diskussion mit dem Matrosen machten die Drei sich enttäuscht, traurig und wütend zugleich ins Bett, ihre letzten Habseligkeiten unter oder in den Hängematten.
Am nächsten Morgen riefen sie, auch auf Anraten einiger am Hafen beschäftigter Brasilianer, die Polizei. Diese durchsuchte das ganze Boot, doch es wurde nix gefunden. Obwohl jeder wusste, dass der Matrose die Sachen gestohlen oder zumindest geholfen hatte, sie zu stehlen, konnten die Beschädigten ihn nicht anzeigen (es fehlten die Beweise). Dennoch fuhr das bestohlene Männlein mit auf die Polizeiwache und gab einen Bericht auf – vielleicht haben die armen Reisenden in Deutschland eine nette Versicherung, die ihnen ein wenig des Verlustes zurückerstattet.

Ihr muesst euch keine Sorgen machen, das Meiste waren nur Klamotten, allerdings ist Peters Kulturbeutel auch weg. Das teuerste war wohl das Handy. Sorry Mama! Und dein Moskitonetz ist auch weg. Melli, deine Vliesjacke wurde auch gestohlen. Entschuldige.
Immerhin hatten wir unsere Papiere, unser Geld und alle anderen elektronischen Geräte, wie Peters Kamera, bei uns.

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Das Dschungelbuch

November 3, 2006

Es war einmal ein kleiner Junge, der von Wölfen aufgezogen worden war. Man nannte ihn daher Woki (die Tiere im Wald konnten „Wolfskind“ wegen der vielen Konsonanten nicht so gut aussprechen, deswegen kürzten sie es einfach ab. Der Nasenbär nuschelte stark, weswegen der Junge in manchen Überlieferungen auch schon mal Mogli genannt wird.) Die Kindheit des Jungen ist weitestgehend bekannt, wenngleich auch vollkommen verzogen dargestellt.
Als er etwas größer war, machte er sich mit seiner Gefährtin Ka (Auch hier hatte ihr eigentlicher Name Kathrin zu schwierige Laute für die Tierzungen. Vermutlich war es auch hier der schusselige Nasenbär, der das Gerücht in die Welt gesetzt hat, Ka sei eine fiese Schlange.) auf, um den größten Dschungel der Welt zu erkunden, den Amazonas. Das bisschen heimischer Urwald muss wohl ein wenig langweilig geworden sein.

Nach den Abenteuern rund um Alter do Chão, sollte es nun noch etwas tiefer in den Wald hineingehen – auf ganz konventionelle Art, mit dem Bus. Es lebe die  Globalisierung.  Der Bus fuhr von Santarém, einer doch recht stattlichen Stadt. Je weiter der Bus fuhr, desto kleiner wurden die Ortschaften. Jamaracuá, das Ziel von Woki, Ka, und ihren Weggefaehrtinnen Txutxi und Stacey, schien auf den ersten Blick nicht mehr als ein Fussballfeld inmitten von Kautschukbaeumen zu sein. Auf den zweiten Blick kamen dann ein paar Huetten rund um das Fussballfeld zum Vorschein und ein etwas groesseres Haus, das Pedrinho und seiner Frau Dona Concepcion gehoeren sollte. Diese beiden, sollten wir suchen, den bei ihnen koenne man unterkommen. Und wir sind nicht einfach nur unter- gekommen, sondern wir wurden herzlichst willkommen geheissen. Sie haben ein offenes Haus, in dem unglaublich viele Leute rumliefen. Ohnehin leben in diesem Haus super viele Menschen unter einem Dach. Aber es muessen an diesem Abend noch jede Menge andere Leute aus der comunidade da gewesen sein. Wie wir spaeter gewahr wurden, schmiss Pedrinho jeden Abend einen Generator an, der sein Haus und die nah gelegene Kneipe mit Strom versorgte. Die Leute warteten offensichtlich auf Einbruch der Dunkelheit, den mit Strom gabs auch Fernsehen. Das ganze Volk versammelte sich, um eine Daily Soap zu gucken, danach loeste sich das ganze wieder auf. Und anscheinend ist der Diesel im Generator jedesmal so kalkuliert, dass er auch direkt nach der Soap mit einem merkwuerdigen Glucksen ausgeht.

Das erschwert das Kochen in fremden Kuechen ein wenig, doch liessen sich die 4 Reisenden nicht abhalten, sich ein leckeres Nudelgericht zu bereiten und zu verschlemmen, um dann fuer den naechsten Tag geruestet zu sein. Denn da sollte es auf grosse Walderkundung gehen. Naja, so gross auch nicht. Der Wald war gross, und v.a. die Baeume. Da staunten sie nicht schlecht, als sie an einen Baum kamen, fuer den man 16 Leute braucht, um ihm zu umarmen. Auch andere Baumriesen, die untenrum nicht ganz so ausladende gebaut waren, aber dafuer nicht uebel hoch, beeindruckten sehr. Schade, dass der presidente da comunidade (der Ortsvorsteher), der sich an diesem Tag persoenlich um die Besucher kuemmerte, es so eilig hatte. Waere Woki und die anderen alleine da durchgelaufen, haetten sie statt 4 Stunden sicher den ganzen Tag oder die ganze Woche fuer die knapp 8 km gebraucht und genossen. Vermutlich rannte er deshalb so, weil er sich mit verschiedenen Damen der Gemeinde verabredet hatte, die auf die 4 mit ihrem selbstgefertigten Schmuck warteten, auf dass sie ein grosses Geschaeft machten. Doch daraus wurde nichts, da Txutxi selbst Schmuck aus den Fruechten des Waldes herstellen will und so fanatisch nach allen moeglichen Samen und Fasern her war, dass die anderen Nichts mehr davon sehen oder hoeren wollten.

Pedrinhos Haus liegt direkt am Strand und das erste was Woki, Ka und ihre Begleiterinnen machen wollten, als sie ankamen, war, in den grossen Ozean-Fluss (der Tapajos ist so breit, dass man das andere Ufer nur erahnen kann) zu springen. Doch daraus wurde nichts, denn es gibt dort zu viel Hai gibt, nein, keine Haie, nur irgendwelche flunderartigen Biester mit nem Stachel, die einen in den Fuss pieksen, wenn man drauftritt. Aber es gibt etwas viel besseres nur 10 Minuten Fussweg entfernt: einen Iguarapé. Das ist ein tropisches Fluesschen, in der Trockenzeit nur ein breiter Bach, in der Regenzeit steigt er 12 oder 14 Meter an und ist dann beeindruckendes Gewaesser. Durch die schattige Waldlage ist das Wasser ueberraschend kuehl. Sehr klar und erfrischend. Der Besuch am Iguarapé wurde so zum Highlight eines jeden Tages. Dort kuehlten sich Woki und Ka ab, wuschen ihre Klamotten und angelten sich ihr Abendessen.

Ihr Gastgeber Pedrinho ist Mitgruender einer NGO namens Saude y Alegria (Gesundheit und Freude), die die medizinische Grundversorgung fuer Kinder und Jugendliche in der Region sicher stellen moechte. Die Organisation hat ein Haus auf einer Insel zwischen Iguarape und Fluss, das neu bedacht werden musste, d.h. alte Palmwedel ab und neue drauf. So verbrachten Woki, Ka, Stacey und Txutxi einen ganzen Nachmittag mit der Gemeinde und halfen bei der Arbeit so gut sie konnten.

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Voicebox

Oktober 26, 2006

Wir haben eine SkypeIn-Box eingerichtet, wo ihr uns zu nationalen Tarif (von Deutschland aus) Nachrichten hinterlassen koennt, bzw. mit ein Bisschen Glueck, wenn wir mit Skype verbunden sind, auch ganz in echt telefonieren koennt.

Die Nummer lautet: +49 6131 9017892

 Wir freuen uns ueber alle Formen des Grusses und Glueckwunsches, Fragen, Anregungen oder was auch immer!

Hoffentlich lasst ihr von Euch hoeren!!!

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Dem Abenteuer auf der Spur

Oktober 26, 2006

Kathi und ich hatten uns entschieden noch ein paar Tage laenger in Amazonien zu bleiben, anstatt direkt weiter an die Kueste in die naechste grosse Stadt (Belem) zu fahren. Und ich finde, wir haben gut daran getan. Es waren wundervolle und ereignisreiche Tage.

Wir sind in Alter do Chao untergekommen. Ein klitzekleines suesses Staedtchen, mitten im Urwald. Naja, nicht ganz mitten drin. Urwald gibt es nur auf 2 Seiten.  Auf den anderen ist der Rio Tapajos, ein Zufluss des Amazonas, der so breit ist, dass wir staendig versehentlich Meer statt Fluss sagen und dann ist da noch der gruene See. Der ist das besondere an dem Ort.

Im Sommer, quasi jetzt (wer schnell umdenkt mag sich wundern: da wir auf der Suedhalbkugel sind, muesste doch jetzt Fruehling sein. Dachten wir auch, aber hier gibt es nur 2 Jahreszeiten und die gerade heisst Sommer und die in der es regnet, Winter) gibt es da naemlich jede Menge Strand vor einem See, der wunderbares, sanftes, leicht kuehlendes Wasser hat.

Unsere Tage haben wir meist mit einem Spaziergang oder meditationsartigem Rumhocken auf dem weissen Sandstrand begonnen. Nach dem fruchtigen Fruehstueck mit den kleinen Gruppe, die sich dort gebildet hat, haben wir uns Muehe gegeben, so viel wie moeglich von der Umgebung zu erkunden. Was bei so viel Urwald gar nicht so einfach ist.

Einen Tag blieb Kathi ziemlich lang am Strand und ich wollte ihr die Zeit geben. Allerdings haben wir dadurch die Gruppe verpasst, die zum Fischen losziehen wollte. Waere interessant gewesen, Piranhas unter dem kritischen Blick von Aligatoren und anderen Wesen zu fischen. Aber wir hatten auch einen aenteuerreichen Tag.  Ueber dem Strand erhebt sich ein Kegel, steil und spitz in die Hoehe. Da wollten wir rauf. Drumherum ist jede Menge Wald und Busch. Da mussten wir durch.

Dummerweise haben wir uns beim Tiere (Heuschrecken, eine halbe Elle lang, Schmetterlinge in allen Farben, Groessen und Formen, genau wie die Echsen und Voegel) ein wenig, naja, schon ziemlich, verfranst, so dass wir im wahrsten Sinne ueber Stock und Stein mussten, um wieder in die richtige Richtung zu kommen. Schraeg war, dass wir von unten den Kegel gar nicht mehr sehen konnten, der sonst Meilen weit zu sehen ist. Ich also in alter Waldlaeufermanier auf den naechsten Baum, Ausschau halten. Immer noch nichts zu sehen. Hm. Wir glaubten schon an wunder. Dann irgendwann wechselte die Flora in etwas was fuer die Tropen unglaublich trocken war. Ringsum nur verdorrtes Gras und lauter tote Baeume. Aber immerhin kein Blatt mehr, was uns die Sicht versperren konnte. Endlich hatten wir wieder Blickkontakt mit dem Berg.

Der Weg dahin verlief durch Brusthohes Gras, das wir erst feinsaeuberlich aufspalteten, bevor wir unseren Fuss aufsetzten, um zu gucken, ob wir auch auf keine Schlange treten. Dann wieder Wald. Kathi hatte langsam genug und ihr Kreislauf auch. Als wir dann am Berg angekommen waren, bin ich alleine hoch. Kathi ist leider nicht in den Genuss dieses grandiosen Ausblicks gekommen. Aber sie hat moeglicherweise noch mal die Gelegenheit.

Letzten Sonntag ist unser Sonntagsspaziergang in ein aehnliches Abenteuer ausgeartet. Wir wollten zu einer kleinen Lagunge am See. Dummerweise ist der See kein rundes Becken mit Wasser drin und ein paar Baeumen drumherum, wie man sich Seen so vorstellt.  Immer wieder waren so ewig lange Seitenarme zu ueberqueeren. Meistens gings zu Fuss. Ausser einmal. Da mussten wir schwimmen. Dumm fuer Kathis Schuhe und Hose. Die Kamera konnte ich irgendwie retten.

AbenteuerinnenIrgendwann dachten wir, wir umlaufen mal eben den kleinen Sumpf, der da entstanden ist wo der kleine niedliche Bach in den See plaetschert. Ja, das dachten wir. Wieder schlugen wir uns durch dichtes Gestruepp, liessen uns Arme und Beine von Killer-Gras zerfetzten, stapften durch huefthohen Schlamm und mussten Aligatoren besiegen (okay, das war gelogen, aber sonst ist alles die reine Wahrheit). Die kleine Kurve um den kleinen Sumpf ist dann in ein mehrstuendiges Unterfangen ausgeartet. Auf der anderen Seite angekommen, waren wir ganz schoen fertig, und dachten uns, wir koennten auch mal wieder nach Hause. Diesmal wollten wir aber die Abkuerzung durch den See nehmen. Nur da wir nicht wussten, wie tief es ist, fragten wir ein paar Kids, die einen Ausflug mit dem Boot gemacht hatten und nun am Fussballspielen waren, ob sie uns gerade uebersetzen koennten. War ja nicht weit, nur bis auf die andere Seite vom Sumpf. Da wo ihre Eltern ohnehin gemuetlich im Schatten lagen und Fische verspeisten.Der Sumpf

Aber die Jungs waren von der scheuen Art und zeigten uns ganz unbrasilianisch und dadurch ueberraschend fuer uns die Schulter. Sie setzten dann irgendwann ohne uns ueber. Einer der ihren versprach aber, mit dem Boot zurueck zu kommen und uns zu holen. Aber anscheinend war die Wasserschlacht doch irgendwie interessanter als die gestrandeten Bleichgesichter am anderen Ufer. Also stapften wir wieder zu Fuss in die Richtung und dann setzten sie sich doch noch in Bewegung und halfen uns wenigstens, unsere Sachen trocken ueber zu setzen. Kathi Jones (nach dem Abenteuer)

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kurze Info vorm nächsten Bus

Oktober 26, 2006

Obwohl man in letzter Zeit von uns weniger gehoert hat, geht es uns gut. Wir haben die letzten Tage in Alter do Chau verbracht, einem kleinen Ort 34 km entfernt von Santarém. Dort gibt es einen See und ein Fluss, so dass es weisse Straende zu hauf gibt. So haben wir die letzten Tage viel am Strand und in den umliegenden Waeldchen verbracht.
Heute morgen sind wir auf zu einem weiteren Abenteuer. Mit 2 weiteren Personen sind wir nun auf dem Weg zu einem kleinen Ort im Urwald. Wir sind heute morgen zurueck nach Santarém gefahren, um den Bus dorthin zu nehmen, doch wie sich herausstellte, kommt der Bus 2 Stunden spaeter, als man uns gesagt hatte, so dass ich noch Zeit habe, ein Lebenszeichen von uns zu geben.
Wir haben vor, bis Donnerstag frueh in diesem Ort zu bleiben, um etwas mehr vom Regenwald und den Einheimischen mitzubekommen. Ich hoffe, unser Essen reicht auch solange, denn man muss sich das Essen selber mitbringen.
Am Freitag geht es dann mit ‘nem Schiff nach Belém. Kueste, wir kommen! Also wundert euch nicht, und vor allem macht euch keine Sorgen, wenn ihr bis Sonntag oder Montag nichts von uns hoert.

Liebe Gruesse
Kathi und Peter