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Danke

Dezember 23, 2006

Danke, liebes Kathrinchen, fuer die schoene Reise. Du warst (und bist) eine gute Reisebegleitung. Ich war froh, dich dabei gehabt zu haben.

Insbesondere in der Chapada hast du mich seeehr positiv ueberrascht. Ich hatte einiges Gejammer befuerchtet, weil du ja nie zuvor gewandert bist und mich schon im Vorfeld so sehr gewarnt hast, ich muesse ach so viel Ruecksicht auf dich nehmen.

Aber du hast dich sehr robust und leidensfaehig gezeigt. Kein Gejammer, kein Geplaerre. Warst die ganze Zeit hellwach, hast mitgedacht und hast selbstaendig deine Parts bei Tourplanung, Zeltaufbau, Kochen usw. uebernommen.

Sonst warst du, wenn du muede und unausgeschlafen warst, doch manchmal ein Bisschen abwesend und traege und ich mit meiner Ungeduld war sicher nicht immer nett. Ich schaetze, das ist so ein Bruder-Schwester-Ding. Ich habe mir das und noch andere Sachen sehr bewusst gemacht und das war es, als ich dir bei unseren letzten Worten kurz vor dem Flughafenbus sagte, dass ich auch persoenlich viel bei dieser Reise mitgenommen habe, insbesondere in der Beziehung zu dir, liebes Schwesterherz.

Ich hoffe, wir haben in Zukunft noch haeufiger die Gelegenheit, gemeinsam unterwegs zu sein (auch im uebertragenen Sinne, denn unterwegs sein beginnt im Kopf) und wuensche mir dann, dass du dich dann noch staerker einbringst und das Gefuehl ablegen kannst, dich vor dem grossen, „erfahrenen“ Bruder staendig rechtfertigen und alles, was du tust, erklaeren zu muessen.

Ich drueck dich, liebes Kathrinchen. Und nochmals danke, fuer die gelungene Reise.

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Das Ende

Dezember 23, 2006

Kahti ist letzten Freitag nach Hause geflogen und damit endet unsere gemeinsame Reise und dieser Blog.

Die letzten Tage waren noch mal ein Bisschen anstrengender und recht trueb. Einerseits, weil wir seit Sao Paulo entgueltig auf der Rueckreise waren, zum anderen war das Wetter recht trist und die Orte waren nicht mehr so reizvoll, wie viele die wir zuvor besucht haben. Dazu muss man sagen, dass wir auch ein bisschen muede waren, immer noch einen Ort und noch eine Kirche und so weiter anzuschauen. Das ist ab und zu nett. Permanent ermuedet das schon.

Umso wertvoller war das Treffen mit Manu in Curitiba. Manu ist eine Freundin von Gabi aus Sao Paulo. Sie hatte uns netterweise den Kontakt mitgegeben. Leider konnte uns Manu nicht beherbergen, da es ihrer Oma nicht so gut ging und nun bei ihr zu Hause gepflegt wird, aber sie hat uns ausgefuehrt. Erst waren wir nett was Trinken und dann haben sie und ihre Kusine uns noch Curitiba bei Nacht gezeigt. Allerdings haben wir uns nicht mehr wirklich ins Nachtleben gestuerzt. Das scheint zwar recht aktiv zu sein, aber deswegen muss man auch ueberall ewig lange anstehen, nur um reinzukommen.

Von Curitiba hatten wir noch mal ’nen uebel langen Busritt bis nach Montevideo in Uruguay. Nettes kleines Staedtchen. Sehr ruhig, angenehme Menschen, wenn gleich ein bisschen eigenartig mit ihrem Matewahn. So gut wie jedeR laeuft mit einer Thermoskanne unter dem linken Arm und einem Mate-Behaelter in der linken Hand herum und ist staendig an dem metallenen Stroh-Halm am Nippen. Egal, ob wartend an der Bushaltestelle oder im Eilschritt ueber die Plaza, der Mate ist immer dabei. Stilecht sind die Utensilien in dickes Leder eingenaeht, die Kalabasse, aus der der Mate getrunken wird, die Thermoskanne, die Zuckerdose und die Matedose fuer die Teekraeuter. Und das alles schleppt man, wenn gerade nicht unter dem Arm, in einer extra dafuer angefertigten Ledertasche mit sich rum.

 Kathis Flug ging von Buenos Aires, einer Stadt, die wir nicht so riesig erwartet haben. Vor allem rund um den Busbahnhof wirkt die 13-Mio-Stadt gigantisch. Dort herum wird das gesamte Verkehrsnetz Argentiniens zusammengefuehrt. Der Hafen ist direkt in der Naehe, so dass dort mehr Schwerlastwagen herumfahren, als andere Autos, hinzu kommen die Fernverkehrbusse, die an 160 Schaltern in dem riesigen Busbahnhof abgefertigt werden. Ausserdem gibt es noch Nah- und Fernverkehrszuege und Metros, die insbesondere zur Rush-Hour die Gegend mit Pendlern ueberschwemmen.

Wir konnten gluecklicherweise bei dem Onkel einer Freundin wohnen, der direkt in dem Viertel hinter dem Busbahnhof wohnt, was uns seeehr gelegen kam, denn wir wollten ja am naechsten Tag schon wieder weg: Kathi mit dem Flieger nach Hause, Peter mit dem Bus nach Paraguay.

Und so geschah es dann auch. Wir nutzten noch den naechsten Vormittag, um uns die Schauplaetze der tragischen Historie rund um Eva Perron, alias Evita, anzuschauen: der beruehmte Balkon im Zentrum der Stadt, ihr Grab auf dem doch insgesamt besuchenswerten Reiche-Leute-Friedhof auf dem Kirchenhuegel (Recoleta)… Leider ist uns dabei die Zeit ein Bisschen weg gelaufen, so dass wir auf unser Abschiedsbierchen verzichten mussten. Aber vielleicht war es auch ganz gut so, denn so war der Abschied kurz und schmerzlos.

Kathi hatte noch ein bisschen Trouble, auf dem Heimweg. Die unglaublich tolle (hust) Fluglinie Iberia musste noch Wasser aus dem Flugzeug ablassen. Was das bedeutet, wissen wir nicht genau, ist aber eine Routine-Angelegenheit. Was wir uns vor allem fragen ist, ob man sowas nicht in den Flugplan mit einbeziehen kann? So hat Kathi auch ihren Anschlussflieger nach Frankfurt nicht mehr bekommen, musste umgebucht werden, und kam erst spaet in der Nacht an. Naja, immerhin noch am selben Tag und sie hatte noch die Moeglichkeit, die Family zu Hause zu informieren, dass sie nicht 4 Stunden am Flughafen rumstehen muessen.

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Freunde in Sao Paulo

Dezember 14, 2006

Soooo viele Menschen sagten uns, wie schrecklich doch Sao Paulo ist. Dreckig, grau, laut, gefaehrlich… All denen koennen wir jetzt sagen: „Noe.“

Ja, Sao Paulo ist manchmal grau und insbesondere durch den vielen Regen, mag man den Eindruck von einer tristen Grossstadt bekommen. Aber Sao Paulo verbirgt, zwischen all den hohen Fassaden, seine kleinen, feinen, bunten Geheimnisse. Man muss nur bereit sein, sie zu entdecken.

Unser persoenliches Highlight waren jedoch die grossartigen Menschen, die wir dort getroffen haben. Da waere zum Beispiel Celso, der unseren Blog durch Zufall gefunden hat (als den am schnellsten wachsenden Blog bei WordPress, das ist doch schon mal was, oder?) und hat auch gleich kommentiert:

Hallo. Ich bin brasilien, wohnne im São Paulo und möchte studiere und arbeite im Deutschland. Ich bin ein kleines besessenes ungefähr Deutschland.

Ich habe Fund Ihre Website gemocht und habe gewusst, dass Sie in Brasil reisen. Seien Sie wellcome. Wie mögen Sie unser Land? Ich kenne Deutsch genug nicht und kenne Ihre Posten zu lesen, deshalb hoffe ich Genuss.

Wenn Sie Burschen je zu São Paulo kommen, lassen Sie mich wissen.

Die besten Beachtungen.

Celso Bessa
http://celsobessa.wordpress.com
www.apanelamultimidia.com.br
www.celsobessa.com.br

Das fanden wir unglaublich lieb und da wir Burschen tatsaechlich nach Sao Paulo kamen, haben wir ihn auf dem Weg dahin gleich mal angeschrieben.  Er hat uns schon im Vorfeld super viel geholfen mit Tipps, Adressen, Unterkuenften usw. und gleich am ersten Abend haben wir ihn getroffen. Dieser Abend wird sicherlich unvergesslich bleiben, denn wir haben gut gelacht… ueber die BrasilianerInnen, die sich gegenseitig beinahe anschreien, obwohl sie sich im Lokal direkt gegenueber sitzen. Das heisst, dass Kathi und ich mit unseren zarten Stimmchen uns kaum Gehoer verschaffen konnten. Celso zum Glueck schon. Unvergesslich war auch der Ninja-Obelix, den wir in dem Lokal namens Asterix gesehen haben. Ninja-Obelix war da der Barmann. Der hatte so nen tollen Trick drauf mit den Bierglaesern und -flaschen. Seit dem ueben wir diesen Trick immer wenn wir Bier trinken, aber wir kriegen es einfach nicht hin.

Die andere tolle Person heisst Gabi und ist die Freundin von einer Freundin von Peter (Dank dir Verena, fuer den Kontakt!). Sie hatte zwar nicht so superviel Zeit fuer uns, da sie ihr Semester dieser Tage abschliessen musste, aber bei ihr konnten wir wohnen, essen, waschen und alles, was man auf Reisen gerne mal verschiebt, wie ausschlafen, mailen, blogs schreiben und dergleichen mehr.  Bei Gabi war alles super unkompliziert und wir haben uns echt seeeeehr heimisch gefuehlt dort. 

Danke Gabi und Celso, fuer den schoenen, aber leider viel zu kurzen Sao Paulo Aufenthalt!!!

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Ausruhen am Meer

Dezember 11, 2006

Nach der anstrengenden Tour durch die Chapada Diamantina (post1, 2) und einem erneuten Tag in Salvador goennten wir uns noch ein paar Tage Sonne, Strand und Meer. Das hatten wir  uns nicht nur verdient. Es zeichnete sich naemlich auch ab, dass die restlichen 2 Wochen, die wir noch gemeinsam haben, verdammt anstrengend werden wuerden. Wir hatten noch 3122 km Luftlinie zu ueberwinden, wollten noch Leute in Sao Paulo und Curitiba treffen, und auch noch etwas von Uruguay zu sehen bekommen.

Also suchten wir einen Ort auf, der uns zum Schnorcheln empfohlen wurde. Dummerweise mussten wir herausfinden, dass man eigentlich nur in der Ebbe und an bestimmten Orten dieser Halbinsel schnorcheln konnte. Da die Ebbe zu der Zeit, in der wir da waren, nicht so ausgepraegt war und ohnehin mitten in der Nacht, wurde aus der Schnorchelei schon wieder nix. Mist. Wir hatten uns so drauf gefreut.

Aber Barra Grande, so hiess das kleine Fischeroertchen, was jetzt ein kleines Touri-Oertchen geworden war, gluecklicherweise saisonbedingt ohne Touris, war auch so sehr nett. Es gibt nicht viel drueber zu beschreiben. Es war halt einfach nur nett…

…und dann auch bald wieder genug des Guten. Am dritten Tag gingen wir unseren Mordsbustrip nach Sao Paulo (32 Stunden reine Fahrtzeit) an.

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Diamantenrausch – extreme (Fortsetzung)

Dezember 8, 2006

Dies ist die Fortsetzung von diesem post.

Nach den Trostplaetzchen ging es dann auch weiter und die Muehe hatte sich gelohnt. Wir waren auf einem Plateau mit dem Namen Gerais de Vieira angekommen und im Sonnenschein ging es dann ohne auf und ab weiter. Die Landschaft war wie bei Winnetou und Old Shatterhand. Am Ende der grasigen Steppe ragten felsige Berge empor, hinter denen man automatisch Indianer vermutete.Mit der Zeit veraenderte sich die Landschaft ein wenig. Aus der grasigen Ebene kamen felsige Brocken hervor, hinter denen man sich im Falle eines Angriffes haette verstecken koennen.

Die Sonne war herausgekommen und schien uns auf die Koepfe. Daher entschieden wir am fruehen Nachmittag eine Pause einzulegen und gingen in ein kleines Waeldchen, wo es einen Bach mit Wasserfall und eine Schutzhuette gibt (Solche etwas versteckte Huetten findet man ab und an; sie werden von gefuehrten Gruppen gerne mal benutzt.). Dort duschten wir dann erstmal im Wasserfall, vielmehr hatten wir es vor, doch das Wasser war so kalt, dass wir eine Katzenwaesche am Rande dann doch bevorzugten. Unsere Maegen meldeten sich dann auch bald zu Wort und es gab lecker Nudeln mit Tomatensosse – auf Holzfeuer gekocht.

Wieder oben auf der Ebene angekommen, zogen bedrohlich dunkle Wolken auf. So schnell haben wir noch nie Wolken ziehen sehen. Wir schafften es gerade noch rechtzeitig, unsere Rucksaecke regendicht zu machen, als es auch schon aus Eimern goss. Und wir mitten drin, da es, wie das auf so Hochebenen so ueblich ist, nicht viel Unterschlupfmoeglichkeiten zu finden pflegt. Ungefaehr im 30-Grad-Winkel gegen die Wand aus Sturm und Regen gelehnt, kaempften wir uns weiter bis zu einem kleinen, steilen Tal, wo wir uns unter den Baeumchen versteckten. Das Waeldchen schirmte uns netterweise ein Bisschen vom Sturm ab, schuetzte mit seinem kargen Blaetterdach aber kaum vor den dicken Regentropfen. War aber auch egal. Wir waren ohnehin glitschnass bis auf die Unterhosen, von wo aus sich das Wasser einen Weg bis in unsere Schuhe hinab bahnte und sich dort sammelte. Aber auch das war egal, da das Wasser, wie das in kleinen, steilen Taelern so ueblich ist, ohnehin den Hang runter geflossen kam und uns in die Schuhe (wohlgemerkt Wanderstiefel) hineingelaufen ist. Das gute an so viel Regen ist, dass man endlich wieder trinken kann (auf den Gerais gab es naemlich keine Gebirgsbaeche mehr, aus denen wir haetten Wasser schoepfen koennen). Wir stellten einfach unseren Topf raus und kurze Zeit spaeter rinnte schon frisches, klares Regenwasser unsere ausgetrockneten Kehlen (ja, wirklich, auch wenn wir nass wie begossene Pudel waren, unsere Kehlen fuehlten sich noch immer staubig an).

Irgendwann ging die Sonne unter. Naja, es wurde halt dunkel. Die Sonne hatte uns ja eh schon verlassen. Jedenfalls mussten wir noch irgendwas finden, was nicht so steil ist und wo wir auch noch Schutz vor Blitz und Donner finden sollten. Peter stapfte also mal los und erkundete die Gegend – zumindest soviel er davon in dem Wetter sehen konnte.

Von weiten sah man ein anderes Waeldchen, was nicht so steil zu sein schien. Dort stapften wir beiden Oelgoetzen dann hin, kaempften uns durch den Farn, der uns bei weitem ueberragte und fanden eine Stelle, die wir zelttauglich herrichten konnten.

Der naechste Morgen war gepraegt von den Erlebnissen des letzten Abends und komischen Traeumen von Schlangen und anderen Alptraumgestalten der Nacht. Nachdem wir in unsere nassen und jetzt auch kalten Sachen geschluepft waren, stapften wir weiter, d.h. wir schlitterten mehr durch knoecheltiefen Matsch den schmalen „Pfad“ hinunter.

Auf so einem besonders steilen, rutschigen Stueck stolperte Peter mehr oder weniger den Weg entlang und konnte sich gerade noch rechtzeitig auffangen, bevor er auf eine Schlange torkelte. Mitten auf dem Weg sass ein mittelgrosses Exemplar, streckte drohend den Hals in die Hoehe, tat aber sonst gar nichts. Wir wollten nicht ohne Weiteres an ihr vorbeigehen, man weiss ja nie und nach dem Schlangenalptraum… so versuchte Peter sie aus der Ferne zu verscheuchen, in dem er Steine und Stoeckchen direkt neben ihren Koerper warf. Doch die Schlange hatte sich bis dahin keinen Millimeter von der Stelle bewegt. Irgendwann landete dann mal ein Stock auf ihrem Schwanz, der auch gleich abknickte. Dann ueberlegte sich das Viech anscheinend doch, sich mal zu trollen und verzog sich – immer noch nicht besonders schnell ins Gebuesch. (Daher wohl der Ausdruck, „sich geknickt hinfort schleichen“.) Wir warteten noch ein Weilchen, ehe wir uns wieder auf den Weg machten.

Am fruehen Abend waren wir dann endlich im Tal von Patí angekommen. Das erste, was wir dort sahen, war ein kleiner Hof, und wir wollten mal sehen, wer da so wohnt, und was diese Menschen fuer Infos ueber den weiteren Verlauf des Weges geben konnten. Der einzige Mann, den wir dort antrafen war sehr wortkarg, aber nicht unbedingt unfreundllich und gab uns Auskunft. Zudem hatte er einen kleinen Laden, indem die Wanderer ihre Vorraete auffuellen koennen. Das taten wir dann auch und kauften nochmals Bananan, Plaetzchen, Nudeln und Tomatensauce und begaben uns weiter zum naechsten Hof, den wir noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen konnten.

Dort schlugen wir unser Zelt auf und kochten Nudeln mit Tomatensosse in einer kleinen Kochhuette. Die nassen Klamotten befreiten wir aus ihren Tueten und hingen sie unter einem Trockendach auf. Sie wuerden zwar nicht ueber Nacht trocknen, aber so schimmelten sie wenigstens nicht.

Geweckt von einem Hahn machten wir uns am naechsten Morgen frueh auf den Weg. Die Sonne lugte zwischen dem sich im Tal gebildeten Nebel hervor. Es klarte sich schnell auf und wir konnten heute den Weg endlich mal richtig geniessen. Er war nicht mehr so matschig und daher angenehmer zu laufen, zudem war die Sicht fantastisch (leider hatten die Kamera-Batterien durch die Kaelte und Naesse den Geist aufgegeben und wir haben keine Beweisfotos, wie schoen es war).
Der Weg schlaengelte sich am Berg entlang und staendig tat sich hinter einer Kurve oder hinter einer Kuppel eine neue Sicht auf. Das spornte richtig an, denn man war neugierig, was es wohl als naechstes zu sehen gab: ein neuer Berg, eine Schlucht, ein Wasserfall auf der anderen Seite… Und die Talbewohner massen die Zeit zu unserem Zielort Andarai bereits in Stunden, nicht mehr in Tagen. Das trug natuerlich auch dazu bei, dass wir frohen Mutes und guter Dinge waren.

Dummerweise vertroedelten wir den halben nachmittag damit, den richtigen Weg ausfindig zu machen. Es ist in der Chapada nichts ausgeschildert und die bloede Karte aus dem bloeden Reisefuehrer war super ungenau und zeigte nur ein paar der Wege und nur ein paar der Berge an. Wenn sie wenigstens dann konsequenterweise gar keine Berge angezeigt haette, waere es auch kein Akt gewesen, aber so sah es so aus, als muessten wir durchs Tal und nicht ueber den Berg. Dadurch dass wir erst runter sind, um zu gucken ob da ein Weg ist und dann den ganzen Hang wieder rauf und die restlichen 2 Stunden tageslicht auch noch bergan, hatten wir ganz schoen stramme Oberschenkel, als wir oben ankamen. Das allabendliche Ritual aus Zeltaufschlagen und Nudeln mit Tomatensosse beendete auch diesen Tag.

Der naechste begann bereits bei Sonnenaufgang, sprich um halb fuenf. Heute wollten wir unbedingt in Andarai ankommen, was auch geschah. Kurz vor Mittag erreichten wir dieses super suesse kleine Staedtchen. Der Bus zurueck in die grosse, abstossende Stadt Salvador (nach 6 Tagen Natur pur fuehlt sich so ne Rueckreise zu ungeliebten Orten noch mal anders an) ging erst am Nachmittag, so dass wir noch Zeit hatten uns in einem netten Restaurant von dem Nudel-mit-Tomatensosse-Fluch zu befreien.

Uebergluecklich, den Trip gut ueberstanden zu haben und mit dem sicheren Gefuehl, dass wir beide unheimlich daran gewachsen sind, goennten wir uns auf der Plaza noch einen Guarana (das nationale Erfrischungsgetraenk) und liessen alles noch mal ein Bisschen Revue passieren.

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Kathis Geburtstag

Dezember 7, 2006


Kathis Geburtstag hatte ein Bisschen eigenartig angefangen. Wir sind um 8 Uhr Bahia-Zeit (0.00 Uhr in Deutschland) mal ne Caipirinha in einer Bar mit Internet trinken gegangen. Kathi wollte bei ihrer Zwillingsschwester anrufen (ein Prosit auf Skype!), um den Moment mit ihr zu teilen. Doch die war schon im Bett und hat das Telefon nicht gehoert. Mama und ihrem Liebsten hatte sie gemailt, um zu sagen, dass sie online sein wird (und die beiden ihr bitte zum Geburtstag gratulieren moegen). Doch die mail ist, wie verschiedene andere in dieser Zeit, nicht zugestellt worden (Buh! fuer web.de). Kathi, die ohnehin schon nicht so super drauf war in diesen Tagen, hat das ziemlich traurig gemacht. Die Busfahrt spaeter am Abend hat ihren Teil dazu beigetragen, dass alles sich irgendwie nicht richtig anfuehlte.
In der Chapada Diamantina war Kathi dann zum Glueck mehr damit beschaeftigt, die Landschaft zu bewundern und sich immer wieder vor dem Regen in Sicherheit zu bringen (Falls noch nicht geschehen, lies auch den ausfuehrlichen Chapadabericht!), als traurig zu sein und wundere wunderbarer Weise doch noch reich beschenkt mit unserem Nachmittag und Abend (und Nacht und Morgen) an dem 420 m hohen Wasserfall und dann konnte sie auch wieder strahlen (s. Foto).
Noch mehr strahlte sie, als sie die vielen Nachrichten auf unserer SkypeIn-Box anhoerte, als wir wieder in der globalisierten, technisierten Welt waren. Sie war sehr bewegt an dem Abend und hat noch stundenlang mit ihrem Schwesterchen, ihrem Liebsten und ihren Eltern telefoniert. Fuer mich war das schoen mit anzusehen, denn endlich war wieder alles in Ordnung.

Dank all denen, die an unser Kathrinchen gedacht haben!!!

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Diamantenrausch – extreme

Dezember 4, 2006

Nach 2 Tagen in Salvador mussten wir wieder raus aus der grossen Stadt und wollten das diesmal richtig tun, nicht wieder von einer Stadt in die naechste. Wir bekamen von mehreren unserer ReisebegleiterInnen aus Amazonien den Tipp, die so genannte Chapada Diamantina zu durchtrekken. Die Chapada ist ein huegeliges, eigentlich sehr trockenes Gebiet, indem in frueheren Zeiten der Diamanten-Abbau, bzw. die Diamantensuche gross war. Bis heute kann man dort Diamanten finden, man muss mit ein Bisschen Glueck noch nicht einmal gross suchen. Aber viel Abbau gibt es da nicht mehr, denn es lassen sich wenig wirklich edle Steine dort finden, sondern v.a. Industriediamanten, der nach den grossen Projekten der Franzosen, Panama-Kanal, Suez-Kanal und Gottharttunnel im vorletzten Jahrhundert nicht mehr in den Massen gefragt war.

Irgendwann in den achtziger Jahren liess sich daher die Regierung ueberreden, den schoeneren Teil der Chapada, der wo Berge und Fluesse und Waelder und Wiesen eine weniger trockene und wunderschoene Landschaft bilden, als Nationalpark vor dem industriellen Diamanten-Abbau zu schuetzen. Einige Familien leben dort zwar immer noch vom Diamant, dann suchen sie diese aber auf ‚traditionelle‘ Art: bis zu den Knien im Fluss stehen und den ganzen Tag Wasser schoepfen, damit alle paar Tage mal ein Brilli zum Vorschein kommt, der gross genug ist, um ihn zu verkaufen.

Wir wollten auch mal unser Glueck bei Diamantensuche versuchen und das begab sich so…

In der Nacht vor Kathis Geburtstag fuhren wir mit dem Bus in das kleine Oertchen Lencois, wo wir eigentlich gar nicht hinwollten, aber wo man als Touri nun mal hinfaehrt, wenn man in die Chapada will. Gluecklicherweise konnten wir von da auch gleich weiterfahren in Richting Capao, ein Tal, wo sich v.a. Nouveau-Hippies, so nennt unser Reisefuehrer solche Leute, angesiedelt haben, die auf Suche nach einem natuerlicheren Lebensstil sind. Kathi, die Aermste, hatte bis dahin immer noch kein Wort der Gratulation gehoert, obwohl sie ihren Geburtstag schon um 20 Uhr Ortszeit am Abend zuvor begonnen hat. In Good Old Germany schlug es ja da schon zwoelfe und sie dachte sich, sie sollte mal ihr Zwillingsschwesterchen anrufen um ihr zu gratulieren, aber das ging schief, weil die schon schlief. Peter weigerte sich, den Geburtstag im Bus zu begehen und so musste die Aermste sich erst ihr Geburtstagsgeschenk hart erarbeiten, bis sie ihren Ehrentag feiern konnte: In Capao angekommen stiegen wir 6 km bergauf. Dafuer brauchten wir den halben Tag, weil wir immer wieder von heftigem Regen begossen wurden, als waeren wir ausgetrocknete Alpenveilchen. Durch den Regen, war der Pfad mehr Bach und immer wieder mussten wir uns die Schuhe ausziehen, um die ein oder andere Ueberschwemmung zu durchwaten.

Aber die Anstrengung lohnte sich, denn wir waren auf dem Weg zu dem hoechsten Wasserfall Brasiliens. 420 Meter stuerzt dort das Wasser senkrecht in die Tiefe und nimmt so viel Geschwindigkeit auf, dass es vom Fallwind aufgestaeubt wird – weswegen der Wasserfall auch Fumaça (Rauch) heisst.
Jetzt musst wir aber endlich mal Kathis Geburtstag begehen und haben erstmal lecker Nudeln mit Tomatensosse gekocht, uns ein bisschen in der Gegend herumgetrieben und dann, als die ganzen Touris gegangen waren hatten wir das ganze Plateau samt Wasserfall fuer uns ganz alleine. Naja, mit der Ausnahme eines Rastamanns, der irgendwo in einer Felsspalte sitzend, wunderschoen Floete spielte – bestimmt extra fuer Kathi. So blieben wir bis zum Sonnenuntergang und als auch der Floetenspieler wieder ins Tal schlenderte, schlugen wir unser Zelt auf und als um sieben die Sonne schlafen ging, gingen wir einfach mit.

Nach diesem Tag zur Einstimmung sollte am folgenden Morgen unser eigentliches Abenteuer in der Chapada erst beginnen. Wir wachten inmitten der Wolken auf, dichte dunkle Wolken, die zwar nicht auf uns herabregneten, wie auch, wir waren ja mittendrin, aber doch die Luftfeuchtigkeit auf 100% hielten. Wir brauchten ein Bisschen, zu merken, dass die Troepfchen auf unserem Zelt kein Regen, sondern mehr ein genereller Umstand der Wetterlage war, der nicht aufhoeren wuerde. Also standen wir auf, packten alles so feucht wie es war ein und schlurften auf dem Bachpfad wieder zurueck ins Tal. In dem kleinen Oertchen dort angekommen, schien uns die Sonne aufs Haupt und trocknete uns aus. Also erstmal Wasserkur, was Essen und dann wieder in den Busch. Halb wieder raus aus dem Ort und das Tal runter, erzaehlte uns jemand von einer grossartigen Karte, die wir uns doch, da wir, oh je oh je, ja ohne Fuehrer unterwegs waren, doch wenigstens anschaffen sollten. Gut, da sich wirklich jeder wunderte, dass wir ohne Fuehrer in die Chapada wollten, und wir kein grossartiges Kartenmaterial hatten, dachten wir uns, das sei wirklich keine schlechte Idee. Peter ist also nochmal den ganzen Weg zurueck gewetzt, hat die Karte gesucht, keine bekommen und dann wieder zu Kathi, die sich ausruhte und Tagebuch schrieb und auf die Sachen aufpasste. Nachdem wir uns ausreichend geaergert hatten, dass das ganze Tageslicht verplempert hatten, liefen wir so schnell uns unsere Beinchen (die einen kurz, die anderen duerr) trugen gen Wald um noch einen netten Zeltplatz zu finden.

Dummerweise war der ganze Wald dort noch privat und mit Stacheldraht umzaeunt. Irgendwann fanden wir so ne kleine Landzunge, die in den Bach reinragte und auf der anderen Seite von Regenfluessen abgeschnitten war. In diesem Regenbachtal machten wir ein kleines Feuerchen um grossartige Nudeln mit Tomatensosse zu kochen. Auf der Zunge schlug Kathi, nachdem sie die Pferdeaepfel naseruempfend beseitigt hatte, unser Zelt auf. Bettzeit 7 Uhr. Aufwachen im Sonnenaufgang, sprich 5 Uhr morgens.

Aufstehen im Regen. Juchuh. Wir liefen weiter ins Tal, ueberquerten reissende Gebirgsfluesschen, bis es irgendwann bergauf ging. Und bergauf und immer weiter bergauf. Der Weg war neben bei bemerkt, ganz schoen glitschig durch den vielen Regen und den omnipraesenten Matsch, so dass Kathi sich mal aufs Popoechen setzte und echt ein bisschen genervt war. (Eigentlich war sie nur auf die Trostkekse aus, die wir fuer solche Situationen immer dabei haben).

Hier geht’s zur Fortsetzung.